Etappenende

Der Aufenthalt in Hanoi war echt super. Die Bierbars mit den kleinen Plastiksesseln sollte man bei uns auch einführen, so lernt man sehr viele Leute kennen. Ein weiteres Highlight in der Stadt: der zweite Stock des Ho Chi Minh-Museums, Thema: fraglich, auf alle Fälle Verherrlichung des Kommunismus und der in dieser Tradition angesammelten Dinge und Personen. Sehr gut gefallen hat mir eine Konstellation eines schrägen Holztisches mit überdimensionalen Obst, die – so die Plakette – darstellt, dass die Zukunft von der Jugend abhängt. Am besten fand ich aber die 70er-Jahre-Darstellung – d.h. viel braun, sehr häßlich – einer begehbaren Höhle, die das Hirn Ho Chi Minhs symbolisieren soll, der sich eine kommunistische Strategie gegen den Kolonialismus ausdenkt! Außerdem: Sechs Leute auf einem Moped gesichtet – bisheriger Rekordwert –; davon drei Erwachsene. Das Baby wurde aber nur mehr schräg oben drauf geschlichtet.

In Ninh Binh wieder mal eine Mopedtour: Die Landschaft ist extrem schön, Kalkfelsen, der Reis steht im satten Grün, überall sind schöne Gräber. Und: natürlich sind die Gräber gefliest, alles andere wäre auch überraschend gewesen. Die Südostasiat_innen und ihre Fliesen! Eine enge Beziehung. Richtig gestutzt hab ich letztens nur, dass nicht auch die graffitis gefliest werden. Der Stil sieht allerdings oft nach „same same“ aus; irgendwelche Fliesen wild durcheinander. Der „same same“-Stil ist überhaupt sehr durchgängig: Plastiksessel, Metalltische, verschiedenste Fliesen in einem Raum. Selten, dass man eine Lokalität mal wirklich als stilsicher gestaltet bezeichnen würde.

Daraufhin geht’s nach Hue. Boris verhandelt gut, wir haben ein Zimmer in einem Hotel mit Schwimmbad zu einem passablen Preis. Wir legen einen „freien“ Tag ein, liegen beim Schwimmbad und baden, gehen Billard spielen – seither ein neues Hobby – und lenzen rum. Zwischenzeitlich hab ich übrigens für die Zeitschrift Datum ein Interview gegeben, der Artikel findet sich hier, wen’s interessiert.

Landschaftlich und kulturell gibt Vietnam extrem viel her. Die Fahrt auf dem Scooter von Hue nach Hoi An ist einer der schönsten: Immer wieder blitzt das Meer durch, die Fischernetze liegen im Wasser, es gibt feine Sandstrände und die gesamte Halbinsel ist von unglaublich vielen Gräbern und religiösen Gräbern übersät, dazwischen wohnen die Menschen in ihren Häusern und tollen die Kinder um. Sehr malerisch.

Hoi An ist der letzte Ort, in dem wir in Vietnam halten. Eine kleine schöne Stadt mit Kolonialbauten, übersät von Einkaufsmöglichkeiten, v.a. Schneider_innen und Schuhmacher_innen, aber auch alles andere. Einmal sind wir um sechs Uhr früh aufgestanden, nur um die hübsche Stadt mal wirklich sehen zu können, nämlich ohne die unzähligen Geschäfte, die den eigentlichen Blick auf den Ort verstellen. Ein fürchterlicher Konsumwahn, der sich da Bahn bricht. Für die Touris ist es natürlich extrem günstig. Ständig wird man von Verkäufer_innen angesprochen, selbst nur im Vorbeigehen, gestern hat eine glaub ich aus der Küche oder vom Klo aus rausgerufen: „Hellllloooo, shopping today?“ „Cheap, cheap“. Gustieren ohne „Verkäufer_innen-Belästigung“ ist leider kaum möglich. Ist mal ein Geschäft oder ein Stand unbewacht, schleichen wir uns schnell an den Stand an und sehen uns an, was die hier überhaupt so machen. Dann kann’s aber schnell gehen und ich oder Boris rufen einander die Warnung zu: „Achtung, da kommt wer!“ Dann heißt’s schnell weggehen, sonst entgeht man den Verkäufer_innen kaum mehr.
Im Verkaufsparadies Vietnam braucht man dringend Strategien zur eigenen Psychohygiene, wie man mit den ständig angebotenen und persistenten Kauf- und Transportanfragen der vielen Mopedfahrer, Verkäufer_innen etc. umgeht, um nicht unfreundlich zu werden. Denn: Es nervt massiv. Meine Lieblingsvariante ist mittlerweile: haltlos kontextlosen Unsinn reden. Wenn mich ein Mopedfahrer anspricht, sage ich z.B. gerne: „No, thank you, my unicorn is just waiting around the corner.“ Oder: „I have a spaceship.“ Wenn einem mal wieder was als „cheap, cheap“ angepriesen wird, antworte ich darauf oft: „No, thank you, I only like expensive things.“

In Hoi An machen wir auch einen Kochkurs, erlernen die leckere vietnamesische Küche anhand ein paar Gerichten, und es wird wieder Billard gespielt. In der Nähe gibt’s auch einen schönen Strand, wo man die Abstrusität der herrschenden Schönheitsvorstellungen studieren kann: Die Touris brutzeln in der Mittagshitze in Bikini und shorts in der Sonne, um braun zu werden, während sich die Asiat_innen vollständig bekleidet mit langen Ärmeln und Hosenbeinen im Schatten bewegen, zusätzlich bewaffnet mit Hut, Socken, Handschuhen etc., um so weiß wie möglich zu bleiben.
Ein weiterer kultureller Unterschied: In Südostasien gilt es scheinbar als unhöflich, „nein“ zu sagen oder zu sagen, dass man etwas nicht hat. Das führt häufig zu nervenaufreibenden Episoden in Restaurants oder Cafés. Aber wie auch immer, es gilt als überaus höflich, wenn man merkt, der andere will nein sagen (kann’s aber nicht quasi) und behauptet dann, man wolle es eh nicht. Als wir im Restaurant in Hoi An ein nicht bestelltes Gericht bekommen, probiere ich es mal auf die asiatische Tour und wälze meine Gesichtszüge unglücklichst, ohne „nein“ zu sagen. Die Wirtin merkt ganz offensichtlich, dass mir das gar nicht passt, lässt uns aber trotzdem auf dem Essen sitzen. Fazit: Die Asiat_innen müssen oft unglücklich sein; mein Weg ist das sicher nicht.
Am deutlichsten verdichten sich die kulturellen Konflikte aber am Beispiel Mopedhelm. Jedes Mal Moped-ausborgen dasselbe Drama: Sie bringen uns labrige Helme. Wir sagen, die gehen nicht, die sind zu dünn. Sie sagen, „same same“. Wir sagen: „No, not same same.“ Nach langem Hin und Her werden doch noch vernünftige Helme aufgetrieben. Wir kommen zur zweiten Stufe: Boris und ich verstellen die Gurte, so dass sie passen. Sie schnaufen und ächzen. In Asien legt man die Mopedhelme ja eigentlich nur auf den Kopf, warum man da was verstellen sollte, ist ihnen schleierhaft. „Very safe, nothing happen to you.“ sagen sie. Es ist aber schon klar: Wir sind mühsame Europäer_innen. Ich probier den Mopedhelm immer wieder und bastel mich mit der Länge des Gurts langsam hin, dann kommt das spezifisch vietnamesische Element: Der Vietnamese zupft einem den Helm aus der Hand (auch wenn man sich wegdreht und leise knurrt, hilft alles nichts, er muss dreinfunzen) und macht schwups den ganzen Träger wieder ganz locker. Also wieder von vorne anfangen und den Gurt wieder enger stellen. Der Vietnamese verdreht die Augen und dreht sich weg, ich schnaufe langsam genervt aus. Frustration auf beiden Seiten! Aber diese ungeduldige Eilfertigkeit, mit der sie das selbst machen wollen, das ist wirklich vietnamesisch. Naja, wir haben ja alle einen Vietnamesen in uns. Die Vietnamesen aber offenbar ein bisserl mehr.

Eine sehr prägende Facette des Vietnam-Aufenthalts stellt das Fakt dar, dass man ständig über den Tisch gezogen wird. Anfangs ein echtes Ärgernis, dann bereits eine Gewohnheit, am Ende wieder ein bisschen Ärger. Man bezahlt ja sogar beim einfachsten Essensstand zuviel Geld. Die Hotelangestellte in Hanoi, mit der wir länger tratschen, erzählt, dass auch von Vietnames_innen zuviel Geld verlangt wird, wenn man glaubt, sie sind auf Reisen oder nicht aus der Gegend. In Hanoi liegt der Touri-Startpreis für eine Ananas beispielsweise bei 30.000,-, in Wirklichkeit kostet sie 7.000. Dass man ein wenig an Touri-Steuer ablegen muss, find ich irgendwie ok. Das Ausmaß, in dem versucht wird, einem das Geld aus der Tasche zu ziehen – mit massiven Lügen und allem – ist dann aber schon erstaunlich. In diesem Land voller Strizzis haben sich auch unsere Strizzi-Seiten verstärkt und ich schäme nicht, zu sagen: Wir haben eine Vietnamesin über den Tisch gezogen und waren richtig stolz. Gut, es ging um 3.000 Dong (10 Cent), aber trotzdem: Wir haben behauptet, dass wir bei ihr vielleicht ein Hotelzimmer nehmen, wenn sie für uns gratis einen Anruf erledigt. Dieses Beispiel verdeutlicht: Wir hatten uns schon ganz gut arrangiert. Jetzt am Ende bin ich aber noch zufällig draufgekommen, dass ich beim Kauf von zwei Handpuppen in Hanoi sicher den dreifachen Preis gezahlt habe. Dabei geht’s mir nichts um Geld – zwei Euro zuviel gezahlt –, sondern was ich eigentlich so verstörend finde, war, dass das Handeln so extrem nett war und wir ziemlich viel getratscht hatten und sie sogar nach Abschluss der ganzen Sache meinte, ich hätte so einen guten Preis erzielt. Während wir in Thailand nur ein paar Mal über den Tisch gezogen wurden und ich das den jeweiligen Personen quasi an der Nasenspitze angesehen habe, bin ich in Vietnam so oft von Menschen an der Nase rumgeführt worden, denen es man überhaupt nicht ansah und denen ich eigentlich vertraut hätte. Alles in allem jedenfalls nicht der sympathischste Zug.

Viele Vietnames_innen waren aber auch extrem nett und freundlich. Außerdem ist es wirklich schön hier, zuzusehen, wie die Kleinsten ständig von allen umsorgt und bespielt werden. Eine weitere Eigenart: Sagt man „camon nihu“ (danke sehr) und nicht bloß „camon“ (danke), dann erstrahlt jedes Gesicht.

Nach einigen Monaten Asien bin ich schon sehr relaxt im Umgang mit Insekten, auch mit den größeren. Allerdings: Auch wenn man schon einige Monate in Asien verbracht hat, ist man oft nicht begeistert, wenn eine Kakerlake von der Größe einer Maus im eigenen Hotelzimmer wohnt. Wir verstecken uns vor Bertie II unter unserem Moskitonetz und bestätigen uns gegenseitig die Mär, dass Bertie II am nächsten Tag nach Hause gehen wird. Leider belehrt er mich am folgenden Abend eines Besseren, zu nachtschlafener Zeit wird er plötzlich nachtaktiv und saust extrem schnell durchs Zimmer, ich flüchte panisch aufs Bett.

Mit dem Ende des Vietnam-Aufenthalts ist ein Etappenende für diese Region erreicht: Gestern Abend hatten wir einen Inlandsflug nach Ho Chi Minh City. Heute geht’s mit einem indirekten Flug über Singapur nach Hongkong (mit der Kirche um’s Kreuz), abends sind wir dort. Anschließend geht’s weiter nach Singapur, Malaysia und Indonesien. Die Rucksäcke sind schon ein bisserl schwerer, wenn doch wer käme, uns zu besuchen 😉 !

hoi hanoi!

hanoi ist mir die bisher liebste asiatische großstadt. sehr europäisch (altstadt), sehr asiatisch (alles andere) zu gleich. kaffeehäuser in denen unglaublich guter filterkaffee ausgeschenkt wird. das kaffeefiltersystem ist sehr hübsch und der kaffee ist sehr cremig und schmeckt stark nach kaokao. es gibt sehr gutes lokales essen und sehr nette und kommunikative „biergärten“ auf den gehsteigen. ein idealer ort also um ein paar tage zu bleiben. zum ersten mal seit langer zeit habe ich auch wieder mal einen kater.

der verkehr ist auf den ersten blick sehr chaotisch, aber folgt eigentlich klaren regeln:
1) das stärkere fahrzeug hat vorrang (lkw/bus >pkw>moped>fahrrad>fussgänger)
2) asiaten schauen kaum nach hinten. falls es eng wird, warnt der hintere den vorderen mit einem hupen
3) nie ganz rechts fahren. diese spur muss für rechtsabbieger der seitenstraße bzw. mopeds die auf der linke straßenseite fahren freigehalten werden.

4) das ganze verhalten ähnelt dem eines fischschwarms. dh man versucht die abstände links und rechts immer gleich zu halten.
5) stehenbleiben ist eine blöde idee. immer schön im fluss bleiben.

mittlerweile macht das fahren richtig spass.

nach anfänglichen anpassungsschwierigkeiten finde ich die vietnamesen mitterweile sehr nett. ich musste mich erst an ein paar dinge gewöhnen: der umgangston ist manchmal etwas lauter, es ist stressiger und man zahlt als tourist praktisch immer zuviel. zudem gibt es eine unglaubliche preisliche willkür, welche man als aussenstehender nur sehr schwer versteht. die preisspanne einer 2 tägigen tour durch die halong-bucht (die touristenattraktion schlechthin) reicht von 36$ – 90$ für das gleiche angebot. will man ein bisschen ein besseres schiff, zahlt man auch gerne mal über 200$. unsere tour wurde nach der 3h busfahrt zur bucht auf einen tag gekürzt, da für den abend unwetter vorhergesagt wurde. das wäre ja kein problem, nur die art und weise wie das kommunziert wurde, war schon sehr mühsam. dann muss noch um jeden dollar bei der rückerstattung diskutiert werden und man ist sich nie ganz sicher ob man nicht doch über den tisch gezogen wird. sei´s wie es sei, es ist ein gutes training um ruhig zu bleiben, dinge gelassener zu sehen und mehr so zu nehmen wie sie kommen. wenn man sich mal darauf eingestellt hat und immer freundlich darauf hinweist, dass man sicher nicht den 3fachen preis bezahlt, höchstens den 1,5fachen, kommt man gut miteinander aus. mittlerweile bin ich schon sehr entspannt und rege mich kaum mehr auf.

nach hanoi gings nach ninh binh zur „trockenen halong bucht“, ein sehr hübscher mopedausflug.

Savages! I love it!

Zwischenstation zwischen den zwei Aufenthalten in Luang Prabang – wir fuhren zu den Neujahrsfeierlichkeiten wieder zurück – ist Muang Ngoi Kiao. Ein wahnsinnig nettes und sehr sauberes Dorf am Fluss. Wir haben eine tolle Unterkunft, lernen einige sehr nette Reisende kennen, mit denen wir gemeinsam Essen gehen bzw. gemeinsam stundenlang aufs Essen warten, und entspannen. Ich gehe ob der eher konservativen laotischen Schwimmordnung mit dem Sarong – also von den Schultern bis über die Knie in ein Tuch eingewickelt – schwimmen. Ich kann nur sagen: So ertrinkt es sich bestimmt leichter.

Abgesehen von den Neujahrsfeierlichkeiten war ein Schwerpunkt der letzten Wochen: die Wilden anschauen.

In Nordlaos machen wir einen Trip zu einem Akha-Dorf. Die amüsieren sich köstlich darüber, dass ich Muttermale auf den Armen und Sommersprossen habe und lachen herzlich. Wer hat denn sowas?!

In Dien Bien Phu – wir sind mittlerweile in Vietnam – mach ich ein Foto von ein paar ansässigen Damen, die sich wieder bestens auf meine Kosten unterhalten. Die eine greift gleich mal meinen Nasenring an (gschamig sind die ja nicht) und untersucht meine Ohrläppchen auf Löcher. Eine gemeinsame Sprache gibt es zwar nicht, aber man versteht, dass sie sagt: „Oida, du hast dich da bei der Örtlichkeit deines Silberrings vertan. Der gehört ins Ohr!“ Hahaha, alle hauen sich ab. Und das wohlgemerkt, obwohl die eine einen Mopedhelm trägt, der wirklich nur ihren Haardut schützt, was überaus komisch aussieht.

Dien Bien Phu - Indigene, man beachte den Helm auf dem Dut

Dien Bien Phu – Indigene, man beachte den Helm auf dem Dut

Saufrech sind die, diese Indigenen! Für die Vietnames_innen gilt das übrigens auch; die frotzeln einen ständig. Geht man vorbei, sagen sie irgendwas auf Vietnamesisch und alle lachen. Gefühlt sind sie ständig am Schmäh führen. Auch deshalb war der Wechsel von Laos auf Vietnam ein richtiger Kulturschock: Laos ist wahnsinnig dünn besiedelt, die Laot_innen sind reserviert und unaufdringlich und Nordlaos – die letzte Region, in der wir waren – ist durch viel Landschaft und wenig Infrastruktur gekennzeichnet. Die Busreise über die Grenze kann als „Erlebnis“ charakterisiert werden – so wird im Reisesprech alles benannt, was eine kulturell höchst wertvolle Erfahrung birgt und im Allgemeinen eher suboptimal ist. Der Bus ist komplett, wirklich komplett überfüllt – es zeigt sich, dass wir mit dem Adjektiv „überfüllt“ bisher ein bisschen naiv und verschwenderisch umgegangen sind. Wir haben Stehplätze, überall drängen sich Menschen und zu transportierende Sachen; ich stehe auf einem Reissack und kuschle mit vielen Fremden.

Nach dieser denkwürdigen Anfahrt also Ankunft in Dien Bien Phu – ein Schock: Die Vietnames_innen haben Energie, sind unruhig, laut, die Strassen sind asphaltiert, es gibt viel Verkehr, auf Baustellen wird emsigst von früh bis spät gearbeitet – ganz im Gegenteil zum bisher erlebten System des einer arbeitet, zwei stehen rum, das Essen ist wieder lecker (juhu!), die Vietnames_innen greifen einen viel an, sind häufig relativ ruppig und unfreundlich und es wird viel beschissen. Insbesondere letzteres ist jetzt schon nervig, selbst bei Garküchen-Essen am Markt werden wir über den Tisch gezogen.
Nach Dien Bien Phu ziehen wir weiter nach Sa Pa, einem Ort inmitten von Bergen und Reisfeldern, eine wunderschöne Landschaft. Aber sehr lustig: Sa Pa sieht aus wie eine Mischung aus Saalbach und Bad Gastein (quasi „Sa Ba“ ;)), es regnet häufig und ist sehr neblig – heimelnde Gefühle kommen hoch, wenn auch nicht die wärmsten. Nur die Einheimischen wurden offenbar ausgetauscht und alles bis zum Anschlag mit sogenannter „Ethno-Ware“ angeräumt. In Sa Pa tummeln sich Angehörige vieler tribes, die ihre selbst gemachten Arbeiten – Täschchen, Pölster etc. – an den touristischen Mann und die Frau bringen wollen. Dazu kommen die vietnamesischen Verkäufer_innen, die auch sehr offensiv vorgehen. An jeder Ecke wird man angesprochen: „Madaaame, buy with me pleeasse.“ Häufig werden wir in Gespräche gezogen. Eigentlich müsste unser Blog „Bohlis und Loni auf Leisen“ heißen, denn als „Bohlis“ und „Loni“ stellen wir uns den Asiat_innen mit dem weltberühmten rollenden r auch mittlerweile vor.


Die Damen der Bergvölker verkaufen aber nicht nur ihre Sachen, sondern bieten auch Treks in ihre Dörfer an. Ich lerne zufällig Ya kennen, sie ist vom Stamm der schwarzen Hmong, wir verstehen uns gleich gut, also machen wir mit ihr eine zweitägige Wanderung mit Übernachtung in ihrem Haus aus. Definitiv eines der besten Erlebnisse der Reise! Ich bin mit meinem Gefühl nicht falsch gelegen: Ya und ich verstehen uns ausgezeichnet und sie spricht sehr gut Englisch, so kann man sich viel austauschen. Bei ihr zuhause fühl ich mich wohl, es ist alles sauber und nett, obwohl den asiatischen „Zuhauses“ die gemütliche Ecke mit der Couch oder irgendetwas Vergleichbarem faszinierenderweise immer fehlt. Abends gibt es Essen im Kreis der Familie und es wird wieder viel getratscht. Einige Dinge – offenbar die essentiellen – werden bei allen bisherigen kulturübergreifenden Zusammenkünften ausgetauscht: Wer bezahlt bei euch die Party, wenn wer heiratet? Muss man schon verheiratet sein, wenn man zusammenzieht? Was haben die Brautleute an? Wieviele Schweine werden geschlachtet? Etc.
Die schwarzen Hmong haben eine unglaublich schöne Tracht. Ich finde, sie sehen ein bisserl wie ein stilsicherer Stamm aus dem Film „Das fünfte Element“ aus.