Myanmar – ein Nachtrag

Obwohl schon seit einer Woche nicht mehr in Myanmar, will ich euch doch ein paar Highlights nicht vorenthalten:

Erstens
Eine Radltour (in Hsipaw) machen und mit einem knarrenden, quietschenden Rad über holprige Strässchen mit weniger als 1 km/h fahren, das ist die pure Langsamkeit und so entspannend, dass ich schon über die Möglichkeiten der ökonomischen Verwertbarkeit in Europa nachdenke (eine Stunde – 60 Euro?!).

Zweitens
Der Besuch des shan-Palastes in Hsipaw und sich mehr über Inge Sargent, der Kärntnerin, die in den 1960er Jahren Prinzessin der shan hier in Birma war, informieren. Ich finde ihre Geschichte wild faszinierend. 1957 nach Myanmar zu gehen ist etwas komplett anderes als heute – völlig abgeschnitten von der Familie zu Hause, ohne skype und ohne schnellen Briefverkehr –, hat sie sich in die shan-Gesellschaft völlig eingegliedert.

Drittens
Die Wanderung in Hsipaw und Hochzeit; eine Hochzeit! – mein Gott, ich schwebte im siebten Himmel vor lauter Glück! Boris hat schon berichtet. Wir haben einen Welt-guide gehabt, Ko-u. Der gleichförmig immer wieder Sätze für uns wiederholte – wie z.B. „’Thank you’ is ’maisomkam’ in shan language .“ – und in genau demselben eintönigen Tonfall immer wieder wiederholt: „My hobbies are tennis and music.“ Großartig!
Außerdem erzählt er, dass er eine „very true love“ zwischen seinem besten Freund und einer Frau von einem anderen Stamm bei ihren Eltern vermittelt hat und deshalb hat er einen länglichen Hut bei deren Hochzeit aufgesetzt bekommen und so hätten alle gewusst, er war der „love maker“, also der Kuppler. Diesen Brauch sollten wir auch einführen!

Viertens
Ein Highlight im negativen Sinn betrifft den Ausverkauf des Landes an die Chinesen. Die Regierung Myanmars und die VR China pflegen sehr enge Beziehungen, Myanmar hat hohe Schulden bei China. China betreibt Raubbau an Myanmar’s Ressourcen, ohne Pardon, und mit der Komplizenschaft der Regierung Myanmars. Im Bild unten ist der Bau einer chinesischen Gas- und Ölpipeline zu sehen, für die der Wald gerodet und die hier wohnenden Menschen zwangsumgesiedelt wurden. Kein Einzelfall leider… gerade im ökologischen Sinn habe ich hier in Südostasien im Allgemeinen schon Vieles gesehen, das traurig stimmt – zb. massive Abholzungen, auch in sogenannten „Nationalparks“. Ebenso ist das Verhalten der Chines_innen in Myanmar kein Einzelfall, sondern auch in anderen Ländern zu finden und im Gegenzug ist der Hass gegen sie weit verbreitet.

Fünftens
Super: Auf der Durchreise in Mandalay an der Bushaltestelle fünf Stunden in völliger Hitze, verschwitzt, sich an verstaubte Kanister lehnend Bruckner hören (gell, Lisi) und Fotos bearbeiten.

Sechstens
Ein abschließender Friseurbesuch in Yangon. Die empfohlene Friseurin ist schwer zu lokalisieren, es gibt keinerlei Hinweisschild. Ich finde sie schließlich nach einigem Nachfragen im ersten Stock eines dunklen Stiegenhauses, die rechte Tür ohne Schild. Die Tür geht auf, hier wohnt eine Familie, der „Friseursalon“ ist im Wohnzimmer integriert – das gefällt mir schon mal außerordentlich. Ich setz ihrer Englisch sprechenden Verwandten auseinander, dass ich nur die Spitzen geschnitten haben will. Sie greift souverän zur Schere und da hör ich schon wie sie – ratsch, ratsch, ratsch – meine Haare auf dem Hinterkopf ganz oben am Scheitelpunkt auf fünf Zentimeter runtersäbelt. Dafür lässt sie meine schon etwas zotteligen Haare vorne ganz lang und schneidet auch keinen Übergang. Ein umgedrehter vokuhila sozusagen – ein volahiku. Leider hab ich kein Foto! Weil in einem anderen Land, fragt man am Ende nicht, ob sie der Wahnsinn besonders geküsst hat, sondern sagt „Oh, it’s very nice.“ Die nachfolgenden Touristinnen werden’s mir danken und genauso wie ich handhaben: Zwei Tage später in Bangkok, schon etwas ängstlich, nochmal zur Friseurin gehen. Dort wurde ich zuerst gescholten (Wo zur Hölle waren sie beim Friseur?), dann hat mir die fähige Friseurin – eine Zauberkünstlerin! – aber tatsächlich wieder eine vernünftige Frisur verschafft.

Resümierend war Myanmar eine sehr widersprüchliche Erfahrung: Einerseits war es extrem intensiv, farbenfroh, beeindruckend – es hat ein paar echte Höhepunkte gegeben (die Landschaft, die Wanderungen, die Dörfer, die Leute etc.). Andererseits: Die Gestankswolken, der Staub, das ständige Spucken durch das Kauen der Betelnuss, die überteuerten Hotelzimmer – das ging mir schon auf die Nerven. Drei Wochen hat als Zeitraum perfekt gepasst, ich hab mich auf Thailand gefreut.

 

 

noch mal myanmar. wieder in thailand.

nach dem etwas anstrengendem myanmar-aufenthalt gönnen wir uns auf unserem weg nach kambodscha ein paar tage auf der insel koh kood. super strand und super ressort, wie es ausschaut bleiben wir länger als geplant. außerdem ist sich idealerweise ein treffen mit rainer ausgegangen uns so bewohnen wir zu dritt einen bungalow.

rainer ist ja aufgrund seines berufes (programmkoordination myanmar für die heinrich böll-stiftung) quasi ein myanmar-experte und so ist es äußerst interessant, über unsere und seine erfahrungen zu diskutieren.

myanmar wird mich auf jeden fall noch länger beschäftigen. die politische situation ist bei weitem nicht so schwarz/weiß wie ich zu beginn naiverweise angenommen habe (regierung=böse, opposition=gut) und die menschen sprechen viel offener über die politische situation als erwartet (das dürfte sich in den letzen 12 monaten sehr zum positiven verändert haben). all die eindrücke hier festhalten freut mich jetzt aber nicht.

ein paar höhepunkte:
im zuge einer wanderung in den bergen bei hsipaw übernachteten wir in einem dorf der palaung und wurden zu einer hochzeit eingeladen. die einladungskarte war ein gefaltetes bananenblatt gefüllt mit teeblättern. praktischerweise sind diese karten zugleich auch die scheidungspapiere: wenn der mann oder die frau die scheidung will, so schickt er oder sie die „papiere“ an die schwiegereltern und die ehe wird aufgelöst. überhaupt scheint dieser stamm sehr liberal und demokratisch zu sein. der dorfvorstand wird von allen demokratisch gewählt, dorfvorstand und chefmönch sind die richter, frauen können sich scheiden lassen und dann wieder heiraten, das sorgerecht kann auch an die männer gehen, es gibt eine eigene kleine steuer, um die armen im dorf zu unterstützen usw.
bei der hochzeit wurde gleich auch aus meiner hand gelesen. die anzahl der linien sagt aus, dass ich 1 x heiraten werde. eher nicht 2 x, aber sicher 1x. unsere guide erklärt mir nachher ernsthaft, dass ich mir keine sorgen mache müsse da diese handlesemethode nicht 100% zuverlässig ist.

IMG_5713

IMG_5642

hochzeitseinladung

auch das ist für mich typisch myanmar. es gibt ja oft nur sehr eingeschränkt strom und so wird holzfeuer zum kochen verwendet. dadurch bilden sich speziell am morgen und am abend diese nebelschwaden und es riecht stark nach verbranntem holz.

pankam village. palaung tribe

pankam village. palaung tribe

bagan
religion ist manchmal schon lustig. unglaublich wie viele ressourcen da verwendet werden, um eine anlage mit über 2300 tempeln und pagoden zu schaffen. schön anzusehen ist das dann auch. wir touristen erfinden dann gleich auch ein neues zeitgemäßes ritual. alle pilgern zu einem tempel, um die wunderbaren sonnenuntergänge in bagan zu bewundern und wenn es dann soweit ist, strecken alle ihre iphones in die höhe.

IMG_5853

IMG_5872

sonnenuntergang in bagan. mit celine

bagan sonnenuntergang

bagan sonnenuntergang. ich hab kein iphone, aber vronis kamera.

oft gesehen: jedes geschäft hat mehr personal als kunden. ruhig mal etwas anschauen spielts da nicht. das gleiche gilt auch für rezeptionen, eintrittskartenausgaben und ähnlichem. manchmal ist das sehr lustig, oft aber auch sehr mühsam. dazu kommt eine chronische unorganisiertheit (z.b. werden ziemlich häufig reservierungen verschlampt oder falsch notiert) und dann wirds manchmal echt mühsam, man möchte ihnen fast helfen.

IMG_5972

noch ein letzter eindruck, der mich immer sehr gefesselt hat. oft wird abends der strom abgedreht bzw. gibt es meistens ohnehin keine straßenbeleuchtung. im mandalay, einer stadt mit 1,5 millionen einwohner ist das dann schon sehr spektakulär. die fahrzeuge haben oft auch selbst keine beleuchtung und wenn sie eine haben, erscheinen sie durch die sehr staubige luft wir große, gelbrote kegel und schaffen eine ganz eigene atmosphäre.

IMG_5411

 

Von Helden und Heldinnen

Buddha ist vielleicht Held Nr. 1. Ein armes Land und an jedem Eck eine fast schon abstrus reich bestückte Pagode. Schlichtweg erstaunlich. In den letzten Wochen haben wir eine Myriade von Buddhastatuen begutachtet.
Amüsant ist die häufige Verknüpfung des Buddhismus mit dem „Geisterglauben“: So haben die „nats“ – die guten Geister – z.B. einen eigenen Schrein in der wichtigsten Pagode des Landes, der Shwedagon-Pagode, von wo aus sie den buddhistischen Tempel beschützen.

„We have two hopes:“, sagt unser Trekkingguide Ko-u, „Buddha and the lady.“ Mit der „lady“, wie sie überall in Kurzform genannt wird, ist der Oppositionsstar Aung San Suu Kyi gemeint. (Dazu gibt’s übrigens auch einen gleichnamigen Film, über den wir leider – mangels Internet nicht gesehen – noch nichts sagen können.) Das Konterfei von und die Verehrung für sie sind allgegenwärtig; in sie werden fast schon übermenschliche Hoffnungen für eine positive Entwicklung des Landes gesetzt.

Aung San Suu Kyi

Aung San Suu Kyi

Aung San Suu Kyi

Aung San Suu Kyi

Dieser junge Mann unten ist quasi der Justin Bieber und Brad Pitt Myanmar’s in Personalunion. Er wird hoch verehrt und spielt offenbar die Hauptrolle in jedem Liebesfilm. Letztens im Nachtbus wurden wir leidvolle ZeugInnen eines ca. drei Stunden dauernden Liebesdramas mit Dreiecksgeschichte, bei der alle Passagiere/innen mitgefiebert haben. Bei einer überraschenden Wendung ging eine Welle der aufgeregten „ohs“ und „ahs“ durch den Bus. Ich find ihn ja ein bisserl „papperlat“, aber bitte…

Justin Bieber/Brad Pitt Myanmars

Justin Bieber/Brad Pitt Myanmars

Mrs. Boris

Seit wir in Myanmar sind, reisen wir sehr intensiv und kommen eigentlich zu nix anderem: der Blog, die Fotobearbeitung (mein Projekt) und die Video-/Musikgeschichte (Boris’ Angelegenheit) sind extrem hinten nach. Wir stehen früh auf und gehen früh ins Bett, machen viel, lesen ein bisl, haben viele Reisebekanntschaften und organisieren die Weiterreise. Herumzureisen ist in Myanmar bei weitem nicht so einfach als in Thailand. Die Reiserouten und die touristische Infrastruktur sind beschränkt, der Tourist_innenandrag war in den letzten Jahren massiv im Steigen begriffen und so müssen wir die überteuerten Unterkünfte idealerweise vorbuchen. Letzteres macht man telefonisch an der Rezeption (und fühlt sich kolonial) oder in einer Telefonzelle am Strassenrand (und fühlt sich extrem lustig).

Telefonzelle

Telefonzelle

Bei der Vorbuchung bin ich dazu übergegangen, mich „Mrs. Boris“ zu nennen. Bei der versuchten Buchstabiererei von „Veronika“, geschweige denn von unseren Nachnamen, kriegt man sonst einen Herzkasperl mit oft nur holprig Englisch sprechenden Einheimischen (und das ja noch dazu am Telefon!). Trotzdem schaffen sie es meistens – obwohl an der Rezeption üblicherweise komplett übersetzt – die Reservierung zu verbocken und wenn man dann dasteht und die Reservierung nicht geklappt hat, reagieren sie sehr asiatisch: Sie hoffen, man möge sich einfach wieder in Luft auflösen und ignorieren einen 😉

Die Station Mandalay hat uns nicht so getaugt, wir hatten dort irgendwie ein bisserl Pech. Amüsant ist ohnehin, dass mir die eigentlichen Sehenswürdigkeiten gar nicht am meisten taugen, sondern die belanglosen Erlebnisse daneben.
Z.B. als wir uns ein Mopedtaxi zur Besichtigung der alten Königsstadt Saigang in der Nähe von Mandalay mieten und uns unser guide Güllie mit fadenscheinigem Englisch eine Definition des Buddhismus gibt:
„Body and mind not broken.
Change, change, change, change, change
Life, life, life, life, life
Nirwana
The end.“
Oder die Fahrt im Pick-up: Bei der letzten Fahrt haben wir – ohne Kinder – sage und schreibe 50 Personen gezählt. Schließlich kann man zur Not ja noch eine Bank auf die Ladefläche schieben und auf dem Dach können ja auch noch Passagiere drauf. Auf letzteres dürfen übrigens nur Männer, sonst würden ja Frauen „auf“ den Männern sitzen – soweit ist es mit der Gleichstellung in Myanmar offenbar noch nicht.

Im Pick-up

Im Pick-up

Pick-ups

Pick-ups

Oder als wir beim Besuch eines Marionettentheaters Aung Soe Paing kennenlernen: Er ist Englischstudent; er und seine Mitstudierenden werden vom Lehrer jeden Abend zum Marionettentheater und am Wochenende nach Mandalay Hill geschickt, um mit den Tourist_innen Englisch zu üben – eine super Idee. Er hätte Glück, sagt er, in Yangon dürften sich Einheimische mit Ausländer_innen nicht so lange unterhalten. Als wir ihn fragen, ob er uns am folgenden Abend nicht nach Mandalay Hill begleiten will, fällt er fast vom Stuhl vor Freude und steht am nächsten Tag mit seiner ganzen Freundesgruppe da.

Mandalay Hill mit Englisch-Studierenden

Mandalay Hill mit Englisch-Studierenden

Lustig auch, dass uns Aung Soe Paing erklärt – immerhin gerade 16 Jahre alt –, dass er thanaka als Nachtmaske nimmt. Die thanaka-Paste wird aus Sandelholz gemacht, soll Sonnenschutz und Gesichtspflege sein und wird von Frauen, Männern und Kindern in speziellen Mustern aufs Gesicht aufgetragen. Bei manchen sieht das schick aus, andere sehen eher so aus, als wären sie in den Topf reingefallen…

In den thanaka-Topf geplumpst...

In den thanaka-Topf geplumpst…

thanaka - die süße Variante

thanaka – die süße Variante

Von Mandalay fahren wir mit dem Zug nach Hsipaw, eine Kleinstadt, wo wir Wanderungen machen – das sind meine bisher liebsten Stationen. Der Zug fährt natürlich um vier Uhr früh los (wann sonst?) und benötigt für die ca. 200 Kilometer elf Stunden. Zu meiner ganzen Freude hüpft Boris hell schreiend zweimal auf – ihm ist eine Maus über die Füße gelaufen. Fünf Minuten später bin ich nicht mehr so schadenfroh: Ich sitze in dem extrem verstaubten Sitz, hab die Füße weggestreckt und knabbere an Erdnüssen – ich fühl mich königlich –, da ist es an mir, hoch kreischend hochzufahren, als ich die Maus schon an meiner Handfläche spüre!
Ansonsten war die Zugfahrt extrem lauschig, man wackelt im Bummelzug über die schiefen Schienen und genießt die wunderschöne Landschaft – diesmal mit Bob Dylan und Catpower.

Im übrigen sind Boris und ich offenbar zu einem Pärchen mutiert, dass alles gemeinsam macht: Wir schwingen unsere Pullover verknotet um die Schultern, erzählen nur noch gemeinsam, sich gegenseitig mitten im Satz ablösend, Witze und – waren heute beide krank. Während ich dem Erbrechen und dem Durchfall gefrönt habe, widmete sich Boris einer kleinen Grippe und Kopfweh.. Aber das ist offenbar fixer Bestandteil eines Myanmar-Aufenthalts. Ui, und ich hab so einen Muskelkater im Hintern vom Wandern – es ist eine Augenweide, mir beim Stiegensteigen zuzusehen!

myanmar. was sich sonst so tut.

so schaut meine seite des tisches aus wenn wir nachmittags eine pause machen:
IMG_5389

das getränk nennen unsere italienischen reisefreunde“dirty water“ und ist ein instant zucker/kaffee/milchpulver mix. man gewöhnt sich dran. rechts daneben cookies, links das notizbuch in dem im wesentlichen die ausgaben und alltägliche beobachtungen  festgehalten werden. letzter eintrag: der burmese spuckt gerne auf den boden. darüber das ebook-lesegerät mit der zum land passenden lektüre „tage in burma“ von george orwell. weil es mir grad einfällt:
eine österreicherin war mal eine prinzessin im shan-state und hat darüber ein buch geschrieben „dämmerung über birma – mein leben als prinzessin der shan“. klingt nach einer sehr interessanten geschichte, ist aber leider nicht als ebook erhältlich. vielleicht findet sich jemand um das buch zu scannen und uns zu schicken. das wäre sehr nett. oben auf dem bild ist auch ein aschenbecher zu sehen und die sind in meiner gegenwart seit 6 wochen unbenützt.

die burmesen, vorallem die männlichen spucken übrigens wirklich gerne am boden. das rührt daher, dass sie ständig einen mix aus betelnüssen, tabak, gewürzen und einer lauge kauen. dadurch werden lippen rot und zähne braun gefärbt. man wird ein bisschen rauschig und der speichelfluss wird angeregt. z.t. sind ganze straßen von der spucke rotbraun gefärbt oder auch die gleise neben einem bahnsteig:

die burmesen sind sehr nette leute. manchmal schweindis.

die burmesen sind sehr nette leute. manchmal schweindis.

außerdem war ich noch beim frisör. eine spannende erfahrung. mein plan einfach im frisörladen auf ein foto zu zeigen ging leider nicht auf. die auswahl wäre ansonsten zwischen den frisuren der boyband n-sync und einer 80er al pacino-matte gefallen. also doch das überraschungspaket. ich setzte mich und der frisörmeister legte sofort mit hoher geschwindigkeit und genauigkeit los. so exakt wurde meine ohren noch nie ausgeschnitten. ich bin mir sicher, dass jedes haar exakt gleich lang ist. man muss auch sagen, dass die burmesen im großen und ganzen immer einen sehr feinen haarschnitt haben.

myanmar style

myanmar style

Mandalay um drei Uhr früh

Alle Reiseführer empfehlen, das gesamte Reisebudget für Myanmar mitzunehmen, wir kommen in Yangon komplett ohne Geld an. Das kam so: Am 1. Februar fahren wir zwar auf den richtigen Flughafen (auch das schaffen viele nicht), probieren acht Bankomaten, keiner spuckt Geld aus, wir rennen zum Gate – noch 2 Minuten bis zum Ende der Boarding Time, erwischen den Flug. In Yangon gibt’s dann glücklicherweise einen Bankomaten (das ist neu in Myanmar!), alles paletti, zum Ausgleich vergessen wir dann eine Visakarte dort. Jetzt haben wir heldenhaft schon zwei von den vier Geldkarten verloren. „Selig sind die geistig Armen, denn ihnen gehört das Himmelreich.“ (warum auch immer), fällt mir meine Oma ein.

Yangon gefällt uns echt gut. Es ist bunt und lebendig, hektischer, lauter und teilweise auch brüsker als in Thailand, sehr divers, aber auch arm, es liegt viel Müll herum und die Wellen des Gestanks sind oft atemberaubend. Nach zwei Tagen ziehen wir nach Kalaw in den südlichen shan-state um, wir haben keine Lust mehr auf Stadt.

Der Nachtbus kommt dort um 3 Uhr früh an, so wie alle Busse: Die Busse und Straßen sind besser geworden, aber noch keiner hat Schlussfolgerungen für die Busfahrpläne gezogen. Im Bus übergibt sich hin und wieder wer, auch das ein Fixum bei Busreisen wie uns andere Reisende erzählen: Die Burmes_innen sind nicht ans Reisen gewöhnt.

In Kalaw erzählt uns der Guesthouse-Betreiber, dass in der Stadt die zweitgrößte Militärbasis des Landes stationiert ist und die meisten Hotelinhaber mit der staatlichen Elite verbandelt sind und ihre Unterkünfte Geldwäsche für das Opiumgeschäft betreiben. Es gäbe nur fünf Hotels, die tatsächlich privat sind – wir wollen natürlich die unterstützen –, darunter seines. Die Wahrheit oder eine Business-Strategie? – die Diktatur kriecht schnell in den Kopf.

Bei ihm buchen wir eine Trekkingtour über Nacht (das war extrem super!). Im Gespräch schaut er – ein Sikh übrigens – nur Boris an. Außerdem will er uns, so kommt’s rüber, possierliche Wilde in ihrem natürlichen Habitat zeigen und Geld rausschinden, indem er auf die Tränendrüse drückt – unsympathischer Typ. Meine stille Genugtuung: Er heißt Rambo, Rambo Singh.

Bei unserem zweitägigen Wanderausflug mit Übernachtung in einer Bambushütte haben wir uns wieder eine nette Reisegruppe aufgezwickt, mit der wir uns auch in Inle See – unserer darauffolgenden Station – treffen und gemeinsam über den See tuckern: Lucca und Anna aus Italien, Vanessa und Sophie aus Frankreich.

Insgesamt war es landschaftlich bisher extrem beeindruckend und es gibt sehr viele schöne Leute und Menschen mit Ausstrahlung (viel mehr als in Thailand, finden wir). Die Menschen singen sehr gern, immer wieder hört man mal wieder wen lauthals losträllern – sehr nett. Myanmar ist übrigens das Land der Kekse (sehr leckere Plätzchen und Plunder) und ohne Trolley voll süßem Vorrat werde ich Boris wohl nicht zu einer Ausreise überreden können…

Es ist übrigens gerade 05:26 und wir sind in Mandalay. Der Bus ist wieder mal um 3 Uhr früh angekommen und alle Unterkünfte sind ausgebucht…

Achja und Susi: War irgendwie klar, dass du uns auch in Südostasien von Berlin aus auf irgendwelche Partys dirigierst, aber bitte, bitte, bitte nicht auf Ko Phangan!

Bussis!