The End

So, das war das Ende:
Entspannen und tauchen de luxe auf der Trauminsel.
Dann Kuala Lumpur. Hauptsache noch viel Essen. Bis zum vorletzten Tag sind wir emotional total entspannt, haben auf angenehme Art und Weise genug vom Reisen, freuen uns auf nach Hause und dann kommen die zwei letzten Tage und wir sind panisch-verzweifelt. Die letzten Tage waren echt noch schön und gemütlich, leckeres Essen, Marktbesuch, Massage durch zwei blinde Masseur_innen – der perfekte Abschluss für Asien. Dann Flüge, wo uns super ausgestattete Entertainment-Systeme vom Schlafen abhalten. Ich treffe die erste europäische Nicht-Reisende seit sieben Monaten, die deutsche Stewardess in der Air Berlin, und die schnauzt mich gleich mal an. Berlin ist dann echt ein Schock, wir finden sogar Neukölln überadrett und sauber und packen’s gar nicht. Am Flughafen wär ich am liebsten wieder umgedreht. Dann noch ein paar schöne Tage in Berlin und dann Wels…

Malaysien die Zweite

Das unten auf dem Foto ist Lolo. Lolo arbeitet in dem indonesischen guesthouse, das wir ewig krank belagert haben. „I always wanted to open a hospital“ witzelt sie. Gemeinsam lachen wir über Reiseerfahrungen: „New bacteria, new experiences.“ Die ganze Gasse kennt uns. Als wir am vorletzten Tag vor unserer Abreise tatsächlich doch noch einen Ausflug zu einen der umliegenden Tempel machen, fragt uns der uns unbekannte Mann, der uns um fünf Uhr früh abholt: „And, do you feel better?“ Die anderen guesthouse-Besitzer_innen fragen Lolo derweil aus, wie sie es macht, dass ihre Gäste so lange bleiben. Lolo hat Humor, aber es nicht ganz so leicht, wie zu vermuten ist: Sie ist seit zwei Jahren geschieden, hat drei Kinder, von denen zwei bei ihrem Bruder in einer anderen Stadt leben – seit einem halben Jahr hat sie sie nicht mehr gesehen. Früher trug sie Kopftuch, ihrem Mann zuliebe, heute nicht mehr, weil ihrem syrischen Freund, der als Koch eventuell in Wien arbeiten wird, das besser gefällt. Da gibt es aber auch einen Franzosen, der gerade in Australien ist, dann aber wieder nach Indonesien kommen will. Sie weiß nicht, mit wem’s was wird, sie hofft aber mit dem Syrer, der plane eine Zukunft mit ihr, der andere nicht. Ihr Job im guesthouse wackelt, obwohl sie den echt super macht, sehr gut Englisch spricht, und uns extrem viel hilft: Sie besorgt uns einen Arzt mit internationaler Lizenz, sitzt bei uns im Zimmer, wenn der Arzt kommt, dolmetscht uns die Sachen aus, die der Arzt auf Englisch nicht sagen kann, versorgt uns mit Fruchtsäften und Gesichtsmasken. Als wir ihr zum Abschied zwanzig Dollar mit einer Karte als Geschenk geben und hoffen, dass es nicht falsch ankommt, weint sie vor Rührung und ist froh, dass wir Freunde geworden sind.

Dann wieder Malaysien. Die Rauchwolke ist glücklicherweise schon abgezogen. Unvorstellbar aber, wie viel Wald auf Sumatra abgefackelt werden muss, dass es fast die gesamte malaiische Insel umwölkt. Die Malaien und Singapurianer sind auf die Indonesier_innen böse, weil die die Brände nicht schnell genug löschen. Die Indonesier_innen geben die Schuld den Palmölfirmen in Malaysia und Singapur, die zwar offiziell eine „no-burn-policy“ vertreten, die Einheimischen auf Sumatra dann aber anfeuern, Brände zu legen. Die Präsenz der Palmölfirmen ist auch so auffallend: Circa 80% von Malaysia sind von Palmen in Spalier gepflanzt bedeckt, sieht echt traurig aus.
Wir sind in Kuala Lumpur – in „KL“, wie man als jemand, der Bescheid weiß, hier sagt – aber glücklich: Wir steigen in den ersten malaiischen Luxus-Bus, der uns in die Cameron Highlands bringt und wissen: Schon alleine wegen der Busse war es die richtige Entscheidung, wieder nach Malaysia zu kommen. In den Bergen haben wir ein Treffen mit Verena und Theresa vereinbart, die sind aus Österreich, Verena ist aus Wels, wir kennen uns nicht, aber man hat ja gemeinsame Bekannte. Wir machen uns ein paar gemütliche Tage mit Essen, auf der Terrasse rumsitzen und Ausflügen. Boris wird später behaupten, in den Cameron Highlands gebe es gar keine anstrengenden Treks, das stimmt aber nicht ganz: Einmal lassen wir uns auf den höchsten Aussichtspunkt auf einem Berg mit dem Taxi hinaufkutschieren. Am nächsten Tag suchen wir uns die kürzeste Wanderung mit den geringsten Höhenmetern aus und spazieren 1-2 Stunden durch den Wald. Gemütliche Pensionist_innenausflüge.

Nächste Station Georgetown. Gemütlich! Wir wohnen super, es gibt ein breites Spektrum an kulinarischen Genüssen, westlich orientierte Kaffeehäuser und Kuchen… So verbringen wir unsere Tage. Zwischendurch wandern wir herum und schauen uns ein bisserl die Stadt an. In Georgetown besuchen wir einen „Flohmarkt“. Schon alleine die Taxifahrt ist ihr Geld wert. Der chinesisch-stämmige Mann erklärt uns, dass das Land so korrupt sei, erklärt uns jedes historische Gebäude, das wir passieren. Außerdem sollten wir als Touris uns gleich beim Einstieg in ein Taxi die Taxinummer einprägen, falls irgendwas passiert. Seine Nummer ist HP 1389, falls er uns also beispielsweise ausraubt, können wir der Polizei sagen, Taxi HP 1389 hat uns ausgeraubt. „Sie werden uns ja wohl nicht ausrauben?“ frage ich, „man weiß nie“ meint er daraufhin. Beim Gedanken an den Flohmarkt schüttelt es ihn: Chines_innen mögen keine gebrauchten Sachen kaufen, klärt er uns auf, könnte Toten gehört haben. Der „Flohmarkt“ ist dann aber wie jeder gewöhnliche Markt in Asien auch. Es gibt kaum alte Sachen, meistens neue, alles aus Plastik. Dieser Markt ist aber irgendwie schon speziell: Man kann sich an einem kleinen Stand die Zähne richten lassen und ein Magier oder Medizinmann erklärt den interessiert Umstehenden anhand eines Skeletts, das wie eine Mischung aus Mensch und Dinosaurier aussieht, Magisch-Medizinisches. Dazwischen gibt es v.a. Stände mit „Männersachen“: Klobigen Silberringen mit Steinbesatz, die man am Ring- oder kleinen Finger trägt, Wünschelruten, Rauchutensilien. Ich kauf mir noch mal dieselben Ohrringerl, die ich schon habe, in einer anderen Farbe, jetzt bezahle ich 6,5 Ringgit statt 20 wie beim ersten Kauf. Boris ersteht die lang ersehnte Reise-Schuhbürste (wirklich!).
In Georgetown treffen wir auch wieder mal die seltene Spezies von österreichischen Reisenden, ein junges Paar um die 19, Anfang 20. Ihre gleichaltrigen Freund_innen wären über ihre Reisepläne alle schockiert gewesen, sie würden soviel Zeit verlieren, vor allem für die Pensionsanrechnung, meinten alle! Ich finde das unglaublich, Boris geht Anderes im Kopf herum: „Mit Anfang 20 als Paar! reisen! Das ist ja noch laffer als in unserem Alter!“

Melakka ist dann eh auch so ähnlich wie Georgetown: Wieder leckeres Essen, ausgezeichnete selbst gemachte Bäckereien im guesthouse – wir essen und schauen uns dazwischen die Stadtarchitektur an. In beiden Orten gibt es einen großen Chines_innenanteil, wir verlieben uns in wan tan-Suppe. Überhaupt verbringt man einen Großteil der Zeit auf Reisen damit, nach gutem Essen Ausschau zu halten, zu beraten, wo man gut essen könnte, zu essen oder über Essen zu reden. Dazwischen bleibt wenig Zeit. Einen guten Teil verbringt man damit, frisch gepresste Säfte zu trinken oder ein Kaffeehaus mit Espressomaschine für Boris zu suchen. Melakka ist allerdings ein wenig getrübt: Boris hat ein wenig erhöhte Temperatur und kränkelt, ihm tut der Hals wieder weh, mir ein paar Tage später auch – vom Kränkeln hab ich echt die Nase voll.

In Malaysia gibt es auch viele einheimische Tourist_innen, die bewegen sich hauptsächlich in Tourigruppen. Eine bestimmte Frau mit Regenschirm am Beginn der Schlange, alle die gleichen Leiberln oder Ausweise, am Ende der Reihe brüllt ein Mann ins Headset und winkt die Touris über die Strasse. Die benehmen sich wie überall: Sie stehen gekonnt dem Verkehr im Weg. Sie merken es, bleiben stehen und winken rechthaberisch-helfend die Autos weiter, stehen aber noch immer im Weg. Die Angehörigen dieser Reisegruppen sprechen einen oft an. Ein Malaie fragt uns, woher wir kommen, Boris fragt ihn, ob er aus Japan ist. Der reißt die Augen auf und antwortet erstaunt, da schwant ihm, dass er aufs Schauferl gesprungen ist und lacht gequält.

Ja, und dann kommt auch schon der letzte Strandaufenthalt, in Pulau Tioman – zum zweiten Mal sind wir hier. Verena und Theresa haben die Sesserl schon aufgewärmt und sind ein paar Tage vor uns angekommen. Eine super Bucht, die wir da gefunden haben! Am 17. Juli geht’s nach Hause, bzw. zuerst nach Berlin, um den Aufprall des Kulturschocks ein wenig abzufedern. Ich fahr jetzt doch auch gemeinsam mit Boris nach Hause. Ursprünglich wollte ich ja noch länger bleiben, mindestens ein Monat. Das war allerdings bevor wir unsere Indonesien-Reise abgebrochen haben: Ich wollte noch ein wenig auf Bali bleiben und dann noch mal auf der malaiischen Hauptinsel herumgondeln. Die aufgetauchte leichte Reisemüdigkeit, die ich in Indonesien aber schon mal verspürt habe, hat sich mit der bakteriellen Rachenentzündung dann aber verstärkt. Und: Als wir ohnehin gemeinsam zurück auf die malaiische Hauptinsel wollten, wußte ich nicht mehr, wohin dann mit mir noch. Also: Auf nach Hause. Am 17. Dezember weggefahren, am 17. Juli wieder nach Hause aufgebrochen. Besonders gefällt mir daran das Primzahlen-Datum, was ich Boris gegenüber – durch häufige und fatal falsche Primzahlenbehauptungen bin ich in Mißkredit geraten – allerdings nur schwitzend eingestehe…

Tourists from Australia

Auf den Perhentian Islands gehen wir zweimal tauchen und einmal schnorcheln, wir beobachten eine Riesenschildkröte (die coolsten!), sehen viele Haie und Fische. Dann reicht’s aber auch mit Strandurlaub, ab geht’s nach Kuala Lumpur für einen Tag Stadtbesichtigung, und dann auf nach Indonesien.

Das indonesische Essen ist extrem lecker, abgesehen von Winner Schnitzel, sweet shower chicken und pain rice, gibt es viele kulinarische Leckerbissen – immer eine wichtige Facette einer Destination für jemanden, der zuhause zukünftig als professionelle Esserin arbeiten möchte.

Auf den bisherigen gemachten Stationen gab es nicht sehr viele Tourist_innen. Dementsprechend sind häufig wir die eigentliche Tourist_innenattraktion. Menschen starren uns nach, häufig werden wir um ein gemeinsames Foto angefragt. Unten eine Auswahl aus dem Botanischen Garten in Bogor. Die muslimischen Mädchen sind besonders putzig, sie umringen uns und kreischen hysterisch; wir werden wie Popstars behandelt; als wir bereitwillig in ein gemeinsames Foto einwilligen, sind sie überglücklich.

Ab dem nächsten Tag wollen wir Geld verlangen: „Make photo, one dolllaaa.“ Frechheit ist es ja schon, da fährt man so weit und dann wird man als Touri-Attraktion behandelt, wissen die denn nicht, dass es umgekehrt sein muss?!

Auch beim WC-Stop auf der Busfahrt von Bandung nach Pandangaran bin ich unerwartet und plötzlich im Mittelpunkt: Der WC-Mann spricht mich an, dass ich von Australien sei. Das hat ihm wohl der Busfahrer gesteckt, der muss es von den indonesischen Reisenden haben, mit denen wir vorm Einstieg in den Bus getratscht haben. Pui. Dann umringen mich plötzlich immer mehr Frauen und reden aufgeregt; ich bin etwas verwirrt ob der plötzlichen Situation, und unsicher, ob die stetig wachsende Ansammlung feindlich oder freundlich gesinnt ist. Hab ich was falsch gemacht? überleg ich noch kurz, dann strecke ich der Menschenansammlung entschlossen meine Hand entgegen und rufe „Hello“. Allgemeines Gelächter, jetzt muss ich allen die Hand schütteln. Die Runde ist begeistert von meiner Anwesenheit, die einzige Indonesierin, die Englisch spricht, sagt dann laut und feierlich: „Welcome in Indonesia.“ Sehr nette Episoden spielen sich hier ab.

Ein anderes Highlight, auch sehr lokaler Natur: Wir machen einen Ausflug mit zwei Deutschen und einer Niederländerin und lassen uns in einem gemieteten Auto rumkutschieren. Wir besichtigen einen Vulkan und fahren zu einer Badestätte mit heißen Schwefelquellen. Dort sind wir die einzigen Touris, werden herzlich aufgenommen beim gemeinsamen Plantschen (ich wieder mal mit Leiberl und Sarong fertig zum Ertrinken) und viel fotografiert. Besonders als wir asiatische Poser-Fotos machen (die wir mittlerweile lieben), seh ich aus den Augenwinkeln ein wahres Blitzlichtgewitter.

Bisher hatten wir eigentlich Glück mit den Unterkünften in Indonesien. Die Reisegöttin ist uns auf der Reise allgemein sehr gut gesinnt, wir kriegen häufig die letzten zwei Bustickets, den letzten guten und billigen Bungalow, erreichen einen Tag vor Hauptsaison eine Insel und können uns die Unterkunft noch aussuchen, ergattern Bustickets, obwohl die Busfahrt eigentlich schon seit einer Woche ausgebucht ist etc. Super! Die indonesischen guesthouses hatten bisher alle einen sehr gemütlichen Gemeinschaftsbereich, was uns im Laufe der Reise immer wichtiger geworden ist. In Bandung verbringen wir einen gemütlichen Abend mit der Belegschaft. Boris spielt Gitarre mit den locals und ich ratsche mit einen Mitarbeiter ewig und quäle ihn mit Fragen über indonesische Vokabeln, was er hocherfreut hinnimmt.

musizieren im guesthouse

musizieren im guesthouse

In einer anderen Unterkunft sitzen wir gemütlich auf der Couch, als ein Indonesier von einem anderen Tisch zu uns kommt und uns Tränen lachend ein Video auf seinem Handy vorspielt: Ein Video mit klamaukhaften Hoppala-Episoden, wobei die meisten Witze darauf beruhen, dass Moslems beim Beten in den Hintern getreten werden. Der muslimische Mann neben mir rollt sich vor Lachen und kriegt sich gar nicht mehr ein. Ich find’s auch lustig, bin aber überrascht, dass man über Religion in einem solchen Ausmaß Witze machen kann.

Über Festtage…

Ich habe Geburtstag, werfe mich in die Abendgarderobe, auf dem roten Teppich warten sie schon:

Geburtstagskind aufm roten Teppich

Geburtstagskind aufm roten Teppich

Oder, eher vielleicht: Wir machen eine zweitägige Dschungeltour. Hand aufs Herz, nüchtern betrachtet sieht das so aus: Man zahlt viel Geld. Man borgt sich einen stinkenden Rucksack aus. Man schleppt schwer an Ausrüstung und Vorräten. Man stülpt zur Abwehr der Blutegel-Attacken die Socken über die Hosenbeine. Man schwitzt innerhalb einer Stunde seine gesamte Kleidung durch. Man schleppt sich über Stock und Stein. Im 10-Minuten-Takt patscht man mit den Turnschuhen in ein Dreckslock und der ganze Matsch durchnässt die Füße bis zu den Socken. Man bekommt schlechtes Dosenfutter- und Fertignudelessen. Man ist ungeheuer dreckig und stinkt. Man schläft in einer großen Höhle mit Fledermäusen. Die Fledermäuse pieseln und scheißen runter, wenn man Pech hat, erwischt’s einen direkt ins Gesicht. Bevor man sich auf die Bettstatt legt, sieht man einen halben Meter vorm Lager eine fette Ratte vorbeilaufen. Es taucht ein Stachelschwein auf, das sich an den Vorräten gütlich tut. Man kann lange nicht schlafen, aus Angst, dass Stachelschwein ersticht einen hinterrücks oder schleckt einen ab. Kurz taucht der Gedanke auf, man hätte das Geld eventuell besser in ein luxuriöses Hotel investiert. Dann liegt man da und zieht ein Fazit: irgendwie lässig!

Nach dem Dschungelaufenthalt zieht’s uns in saubere Gefilde, wir flüchten wieder auf eine Insel: Perhentian Islands und vergnügen uns hier (ab morgen!) mit Schnorchelausflügen und Tauchgängen. Amüsant: Bisher haben wir in 5,5 Monaten Reise nur drei Österreicher_innen getroffen. Als wir unseren Bungalow beziehen, fällt plötzlich auf, dass die zwei Nachbar-Bungalows mit Oberösterreicher_innen befüllt sind, die sich untereinander auch nicht kannten! Wir verbringen einen netten Abend und erzählen uns gegenseitig Schauergeschichten über und aus Österreich, Oberösterreich, Linz und dem Harterplateau. Ich amüsier mich köstlich über eine typisch österreichische Frage, die der Linzer an uns stellt: „Bei wöcher Bank seids ihr eigentlich, bei der Raika oder der Sparkassa?“

Letzte Woche haben wir einen Kajak-Ausflug gemacht und entgegen aller Erwartungen extrem viele Tiere gesehen (sogar wir!): zwei Warane (einer riesig!), ein Eichhörnchen, Quallen – da war ich schon äußerst zufrieden. Aber dann plötzlich, ganz nah, eine ganze Horde Affen und drei Seeotter!

Zu Malaysia: Interessant wie man auf die eigenen Rassismen und Vorurteile gestoßen wird. Eine bis dahin sympathische Amerikanerin war in Vietnam so freundlich, mir zu erklären, dass Malaysia furchtbar sei, weil: „It’s full of muslims, you know!“ So weit war ich mit meinen Vorurteilen zwar nicht, tatsächlich hatte ich aber Bedenken, wie es hier als Frau wohl sein würde. Dann die Ankunft und das Staunen: Malaysia hat bei weitem das größte Bruttosozialprodukt von allen bisher bereisten Ländern (außer Hongkong) und das sieht man. Die Malai_innen sind – wieder abgesehen von den Hongkonger_innen – das freundlichste und zudem offen zugänglichste Volk bisher. Und man bemerkt: Man hatte sich ein dreckiges, muslimisches Land vorgestellt. So schwindelt sich die weit verbreitete Islamfeindlichkeit also auch in den eigenen Kopf. Als Frau hatte ich bisher keine Probleme, bin aber wie immer knie- und schulternbedeckt gekleidet, zudem meistens in Begleitung eines Mannes und ich weiß auch nicht, wie’s wirklich in einem Landdörfchen ohne jeglichen Tourismus ist. Nur eine kleine ärgerliche Episode: Gestern will ich bei der Kasse im Restaurant zahlen. Fragt mich der Kassierer freundlich (aber ernst!), wo denn mein Mann sei, was ich denn hier wolle, er müsse doch zahlen, er müsse doch das Geld verwalten – nicht ich -, es sei doch sein Geld. Kulturelle Unterschiede hin und her, dem hätte ich gern den Kopf abgerissen!

Städtetouring

Im Moment sind wir auf einer malaiischen Insel, chillen. Nach dem eher schnellen Reisen in Vietnam und dann zwei Städteaufenthalten in Hongkong und Singapur war eine Entspannungsphase dringend nötig. Der erste Tag war komplett ungewohnt: nichts zu organisieren, zu tun, zu checken – ich falle direkt in ein Loch und weiß erst mal nichts mit mir anzufangen, erhole mich aber schnell ;). Ein schönes Platzerl haben wir uns wieder mal gefunden, die lange Bucht mit Bungalow direkt am Meer teilen wir uns mit circa acht anderen Menschen.

Malaysia, Blick vom Bungalow

Malaysia, Blick vom Bungalow

Hongkong war super und als sehr westlich orientierte Großstadt mit einem relativ hohen Level an Wohlstand total ungewohnt: Wir fallen als westliche Ausländer_innen einmal nicht auf – positiv. Alle laufen mit Handys, Smartphones und ipads bzw. tablets rum, ständig und überall – auch beim Gehen – spielend, schreibend, telephonierend und obstruieren einem beim Weiterkommen durch ihre ständige Bildschirmschauerei (grr). Es gibt wieder Ausländer_innen! Also richtige Migrant_innen! Alleine das deutet schon auf den Großstadtfaktor hin. Bei dieser Gelegenheit fällt mir auf, dass die Inder – es sind vornehmlich Inder_innen in den Chungking Mansions, wo wir wohnen – alle einen kleinen, prallen Wamps kriegen; das Baucherl wird nicht schlabrig wie in unseren Breiten, sie sehen eher aus als wären sie ein bisschen schwanger; das muss wohl an der Ernährung liegen.
Hochhäuser, Hochhäuser, Hochhäuser! Boris ist begeistert und will uns quasi schon in einer Hochhaussiedlung, die er wunderschön findet und der Gartenstadt-Siedlung verblüffend gleicht (echt häßliche Teile!), einmieten; ich fürcht mich ein bisserl. Überall, überall Shopping Malls! Alles ist bestens organisiert und läuft wie am Schnürchen, z.B. das öffentliche Verkehrssystem. Eigentlich ist es eine sehr britische Großstadt (kein Wunder) mit vielen Ge- und Verboten: „Please hold the handrail!“ (auf der Rolltreppe), beim Straßen-überqueren steht fett „Look right!“ oder „Look left!“ am Boden, essen und trinken in der U-Bahn verboten, „Please mind the gap!“ sagt die panische Lautsprecherdurchsage beim Verlassen des U-Bahnzuges. Desweiteren herrscht ein Desinfektionswahn in der Stadt: „This handle is disinfected eight times a day.“ ist der Türgriff des Kunstmuseums beschriftet. Apropos Kunstmuseum: Es gibt wieder ein Kulturangebot, das der Rede wert ist! Hungrigst stürzen wir uns darauf – Boris hat eh schon berichtet. Der Auftritt dreier Rockbands, dem wir beiwohnen durften, war aber mehr als mau. Ich fühlte mich melancholisch an meine Teenagerzeit erinnert, wo ich aus freundschaftlichen Verpflichtungen viele solcher Konzerte besuchte. Außerdem waren wir auf einer Ausstellung zur zeitgenössischen Kunst Hongkongs und die weise Kunstinstallation fragte Boris: „Why do you smell of cookies?“ Ich war ganz baff, wie die Kunstinstallation das weiß. Was die Künstler_innen heutzutage alles können…
Die Chines_innen sind echt hübsch, bisher die feschesten Asiat_innen, das hätte ich nicht erwartet. Allerdings sind viele westlich orientiert gekleidet und gestylt, was unserem Auge sicher näher kommt. Eine weitere Eigenart Hongkongs: Die von den besuchten Orten bisher am meisten gekühlte Stadt Asiens. Die Außentemperaturen waren recht okay, man möchte fast sagen: frühlingshaft. Bei Temperaturen also, bei denen wir maximal – maximal! wenn wir überhaupt etwas tun würden! – den Kamin einheizen würden, wird in Hongkong mittels Klimaanlage alles eisgekühlt. Überall ist es eisig! Es scheint außerdem einen Zusammenhang zwischen angestrebtem Reputationslevel und herrschender Temperatur zu geben. Sprich: Die teuersten Designer-Einkaufszentren und die edelsten Kunstinstitutionen sind am kältesten. Desweiteren sind die WC-Anlagen in einem EKZ, das auf sich hält, nochmal kälter als der Rest des Gebäudes. Wir sind glücklicherweise schon daran gewöhnt, werden nicht krank. Wissen die eigentlich von der Umweltverschmutzung?
Die grellen Reklameschilder, die hohen Häuser, die vielen Kulturangebote, die pulsierende Stadt – Hongkong hat mich total aufgeheizt und ich kann zwei Tage bis um drei Uhr früh nicht schlafen.

Dann heißt’s ab nach Singapur. Wir kommen an, haben nichts gebucht und keine Ahnung von der Stadt. Die Stadt ist sauteuer, so nehmen wir uns Betten im 8-Bett-Schlafsaal (ich hatte gehofft, ich wär schon zu alt für sowas), haben Glück mit den Schlafgenoss_innen und können ein paar Nächte erstklassig schlafen. Eine überraschend positive Erfahrung, die Leute im Hostel sind total nett und es gibt einen wirklich netten Aufenthaltsraum. In gewissem Sinne ist Singapur die Steigerung Hongkongs: Es geht nochmal mehr ums Einkaufen, an jeder Ecke gibt’s einen glänzenden shop. Und, zweitens, die Verbote: Essen oder Trinken in der U-Bahn wird mit 500 Dollar geahndet, genau so viel kostet die Geschwindigkeitsüberschreitung auf der Autobahn, Müll wegschmeißen in der U-Bahn kostet dann schon 1.000,-. Kaugummi kauen – lange ein berühmt-berüchtigtes Verbot in der Stadt – scheint aber mittlerweile akzeptiert, Kaugummis kann man zu medizinischen Zwecken immerhin schon in der Apotheke kaufen. Eine Steigerung von Hongkong, die nervt: Das Ausmaß der Verbote und die Bestrafung deuten auf eine rigide Gesellschaft hin, die Einkaufszentren kann ich nicht mehr sehen. Gleichzeitig fehlt der Stadt das Leben Hongkongs: Die skyline ist nicht so beeindruckend, die Kunstszene nicht so gut…hier geht’s eigentlich wirklich nur um Konsum. Das einzige, was dann aber wirklich herausragend positiv ist: Dass so viele Kulturen auf einem Fleck wohnen und die leckeren foodstalls, die diese vielen Kulturen dankenswerterweise betreiben.
Wir waren in unseren zwei Tagen Singapur im Zoo. Nachdem sich bei unseren Wanderungen die Viecherln immer vor uns verstecken – bisher haben wir nur ein paar Vögel (wen interessieren schon Vögel so richtig?!) und einen stark suizidgefährdeten Affen gesehen –, sehen wir mal endlich Tiere. Unerwarteter Sieger des Zoobesuchs: Das Nilpferd. Stämmig, aber grazil schwimmt es mit blitzblauen Augen durchs Wasser. Auf Platz Nr. 2: Kopulationsversuche von Riesenschildkröten. Gute Güte, sieht das patschert aus! Er wackelt von hinten ran, hievt sich mit dem Kopf auf ihren Panzer, rudert mit den Vorderpfoten auf ihrem Rückenpanzer rum, um sich vorwärts zu schieben, rutscht immer wieder runter und zerkratzt ihr ein bisserl den Panzer mit den Krallen… ein Wahnsinn!

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