party laos

nochmal laos:
nach der wanderung zum akha-dorf in laos wurden wir von unserem guide zu einer hochzeit eingeladen. nicht zu der eigentlichen zeremonie, sondern zur afterparty.

das muss man sich so vorstellen: hotelhof, plastiksitze und tische, jede menge girlanden. das essen steht bereits am tisch (mit plasikfolie umwickelt), ebenso das bier. das soundsystem dröhnt übersteuert typische laotische popmusik (nicht die schlechteste in so-asien. erinnert ein bisschen an cumbia/salsa, sehr bass-betont), so laut dass eine unterhaltung fast nicht möglich ist. nach und nach tröpfeln die gäste in den hof und man gratuliert dem brautpaar. die brüder und cousins des paars stehen spalier. nach einer halben stunde eröffnet ein „master of ceremony“ mit einer kurzen ansprache (inkl echo-effekt auf der stimme), dann sagt der brautvater ein paar worte und eröffnet die völlerei. das essen am tisch ist kalt, das bier ist warm. für das bier gibt es eiswürfel, nicht die schlechteste idee, und die musik beginnt wieder zu spielen. allmählich wird zu tanzen begonnen (siehe video). lustig.

auch vroni und ich müssen ran. vroni wird von unserem guide aufgefordert, ich werde von einem ladyboy aufgefordert und wir sind kurzfristig die attraktion der hochzeit. getanzt wurde folgendermaßen: die männer bilden einen kreis und die frauen stellen sich gegenüber der männer und bilden auch einen kreis. zu beginn nickt man sich kurz zu, dann beachtet man sich eigentlich nicht mehr. die kreise bewegen sich und getanzt wird mehr mit den händen. dh. eigentlich werden nur die handflächen nach links und rechts gedreht. das kommt der „peter neuhauser-schule“ schon ganz nah, war mir also sehr vertraut. ab und zu gibt der sänger ein kommando, dann wechseln die kreise ihre position (männer nach innen, frauen nach außen bzw. umgekehrt). ganz wichtig ist, egal welche bewegungen ausgeführt werden, dass unter keinen umständen gegrinst oder gar gelacht werden darf. zum schluss bedankt man sich beim partner und geht wieder bier mit eis trinken. irgendwann gibt es dann einen teil für die teenies. junge karaoke-nachwuchstalente ergreifen das mikro und singen herzzereissende duette. wir unterhalten uns noch mit händen und füßen mit unseren sitznachbarn, werden abfotografiert und um 11 ist der spass großteils zu ende.

ein sehr hübscher abend.

sehr, sehr lustig waren auch die neujahrsfeierlichkeiten in luang prabang, das wasserfest. 3 tage bespritzt sich die ganze stadt gegenseitig mit wasserpistolen, wassereimer, mehl und lebensmittelfarbe. am vormittag begann die trinkerei und abends um 7 ist es wieder ruhig. dazwischen wurde sehr intensiv gefeiert, getanzt, gekreischt und sich gegenseitig ein schönes neues jahr gewünscht.  trotz aller ausgelassenheit wurde sehr rücksichtsvoll gefeiert und trotz immensen bier lao-konsums gab es keine aggressivität. alle waren immer extrem freundlich. wir hielten zwei tage mit, am dritten waren wir dann ko. die laoten hingegen schenken sich in den drei tagen nichts. wir waren ziemlich überrascht, wie ausgelassen und laut die ansonsten eher ruhigen und zurückhaltenden laoten sein können. das war mit sicherheit einer der amüsantesten neujahrsfeierlichkeiten für mich.

Was bisher geschah…

Wir sind in den letzten Wochen wieder mal intensiv rumgereist und waren ein bisserl blog-faul. Nachdem unsere Mütter simultan begonnen haben, sich Sorgen zu machen (ausgelöst durch schlechte Nachrichten aus Indien, Syrien und Korea), ist es wohl höchste Eisenbahn für ein Update 🙂

Nach den Tempeln von Angkor ging’s nach Kratie – letzte Station in Kambodscha –, Süßwasserdelfine schauen. Nett war’s! Häßlich sind die! Man überzeuge sich selbst hier.
Die Fahrt zur laotischen Grenze war ein Erlebnis. Wer hätte gedacht, dass in einen Minivan 25 (!) Personen passen und man sich selbst den Fahrersitz teilen kann!

Überbevölkerung im Minibus - man kann sich auch den Fahrersitz teilen!

Überbevölkerung im Minibus – man kann sich auch den Fahrersitz teilen!

Laos startet gleich mal gut und geht genauso weiter, hier gefällt es mir extrem gut: Zwar kein Strand und Meer, es ist aber wunderschön zum Baden, es gibt viele Wasserfälle und landschaftlich ist es extrem schön (Stichwort Karstfelsen). Landschaftlich war Kambodscha ja eher langweilig. Außerdem: Es stinkt nicht! Bisher hatte noch jedes Land seine Gestankeswellen mit Schwerpunkten auf unterschiedlichen Facetten. Myanmar z.B. eher Richtung Kloake, Kambodscha eher Fokus auf Hundescheiße. Nicht so Laos. Allgemein scheint es hier adretter, ordentlicher zu sein. Vermutlich ausgelöst durch die Ähnlichkeiten mit Österreich (adretter, Berge, schöne Flüsse) zieht auch Boris mehr Vergleiche wie „Do is so sche wia in da Grünau.“ oder „Do is so klass zum Boden. Wia am Attersee, nur net so blau.“ Ich erseufze regelmäßig.

In den letzten Wochen waren wir viel mit Mopeds unterwegs (mit Liesl, Mitzi und Rudi), auch auf mehrtägigen Touren durch die Berge, und haben uns beide das geholt, was hier unter Touris zu 99 % Verbreitung findet und auch als „Lao tatoo“ bekannt ist: Einen Brandfleck vom heißen Mopedauspuff…

Verblassendes "Lao Tatoo" - Brandfleck vom Mopedauspuff

Verblassendes „Lao Tatoo“ – Brandfleck vom Mopedauspuff

Höhepunkte der Mopedtouren:

  1. In Asien ist es staubig – besonders auf Mopedtouren –; Boris pflegt die Seelenverwandtschaft zu Carrie Bradshaw, putzt seine Schuhe wirklich oft und inbrünstig und beklagt dabei haareraufend den roten Sand, der sich unwiederbringlich in die Farbstruktur seiner wunderschönen Sneakers eingräbt.
  2. Wir werden plötzlich in asiatische Fotoperformances inkludiert und beginnen selbst damit. Bei uns ist es allerdings Spaß, bei den Asiat_innen purer Ernst.

    Mein Vorbild war übrigens sie:

    Asiatische Fotoperformances - die ExpertInnen

    Asiatische Fotoperformances – die ExpertInnen

  3. Kaffee wächst auf Bäumen! Wir sind baff! Ich weiß gar nicht, was wir uns vorgestellt haben. Sicher keine Rüben, aber ich hab mir vielleicht mehr etwas Richtung Hecke vorgestellt.
  4. Wir werden zu einem animistischen Fest in einem Dorf eingeladen. Wer steht um 4.45 Uhr auf, um die Schlachtung von einem Dutzend junger Kühe und einem Büffel zu sehen? Genau, wir!
    Bei dem Fest spricht mich ein alter Mann an. Mangels gemeinsamer Sprachbasis redet er laotisch und ich oberösterreichisch, wir verstehen uns aber prächtig und haben trotzdem einiges zu betratschen!

Wir lassen die Hauptstadt Vientiane aus; die soll fad sein und fahren weiter nach Vang Vieng. Vang Vieng hat sich in den letzten Jahren zum Party-Hotspot der Backpacker entwickelt. Bis letztes Jahr mindestens 27 Menschen umgekommen sind! Mehr dazu hier. Die Zustände waren schlimm: Es gab eine Tubing-Route am Fluss: rein in den LKW-Schlauch und bei jeder Bar shots trinken und Drogen konsumieren. Viele sind im Fluss ertrunken oder haben sich beim Sprung ins Wasser tödliche Verletzungen zugezogen. Auch das Benehmen der jungen Partymenschen ließ offenbar ein bisserl zu wünschen übrig und war mit der eher konservativ-zurückhaltenden laotischen Kultur unverträglich: Von Mädels, die im Bikini durch die Stadt laufen, bis zu öffentlichem Sex war alles dabei. Die örtliche Polizei wurde geschmiert und unternahm nichts. Also ist vor ein paar Monaten der Präsident persönlich (!) mit einem Hubschrauber und seinen eigenen Polizeimännern runtergekommen und hat aufgeräumt. „That’ s how the communists do it.“ hat uns unsere thailändische Bekanntschaft Don erklärt. Die massive Saufinfrastruktur wurde zerstört. Wir sind genau zum richtigen Zeitpunkt hier, schön ist es nämlich, umgeben von Karstfelsen. Die Unterkunft ist auch super, also bleiben wir ein paar Tage und gehen erstmals Klettern.

Vang Vieng - auf den Spuren einer vergangenen Partykultur; Zerstörte Saufinfrastruktur

Vang Vieng – auf den Spuren einer vergangenen Partykultur; Zerstörte Saufinfrastruktur

Reisen durch Laos ist ähnlich wie in Myanmar: wir treffen immer wieder dieselben Leute und reisen oft mit Anderen, was sehr nett ist. Dabei hört man immer öfter den Satz „I really need some internet.“ – faszinierend, wi-fi ist offensichtlich unter die Grundnahrungsmittel gegangen.

Asien ist generell sehr bürokratisch, bei der Überquerung einer Brücke ist es nicht überraschend, wenn man drei Formulare ausfüllen und eine Gebühr bezahlen muss. In den guesthouses muss man immer viele Informationen beim Einchecken angeben, zum Beispiel auch den Beruf. Während Boris seine Profession immer wieder mal wechselt und das letzte Mal z.B. Bundeskanzler war, bleib ich bei meinem erstgewählten Beruf: Prinzessin. Bei den Bustickets habe ich unsere Namen auch dementsprechend angegeben. So passiert’s auch, dass man auf einer Bushaltestelle plötzlich von einem Deutschen angesprochen wird: „Ah, seid’s ihr die Prinzessin und der Bundeskanzler?“

Und: Ich habe Podcasts wiederentdeckt. Eine super Sache ist das, besonders bei langen Busreisen. Besonders zu empfehlen, wen’s interessiert: die Sendungen von Bayern 2 wie z.B. Radiowissen und radioZeitreisen.

Heute sind wir in Luang Prabang angekommen. Es wird gerade Neujahr gefeiert – Festlichkeiten, bei denen man sich gegenseitig mit Wasser und Mehl beschüttet; wir wurden diese Woche schon oft nass…

Und: We met Ollie and we loooove his music…

We met Ollie and we looove his music...

We met Ollie and we looove his music…