Malaysien die Zweite

Das unten auf dem Foto ist Lolo. Lolo arbeitet in dem indonesischen guesthouse, das wir ewig krank belagert haben. „I always wanted to open a hospital“ witzelt sie. Gemeinsam lachen wir über Reiseerfahrungen: „New bacteria, new experiences.“ Die ganze Gasse kennt uns. Als wir am vorletzten Tag vor unserer Abreise tatsächlich doch noch einen Ausflug zu einen der umliegenden Tempel machen, fragt uns der uns unbekannte Mann, der uns um fünf Uhr früh abholt: „And, do you feel better?“ Die anderen guesthouse-Besitzer_innen fragen Lolo derweil aus, wie sie es macht, dass ihre Gäste so lange bleiben. Lolo hat Humor, aber es nicht ganz so leicht, wie zu vermuten ist: Sie ist seit zwei Jahren geschieden, hat drei Kinder, von denen zwei bei ihrem Bruder in einer anderen Stadt leben – seit einem halben Jahr hat sie sie nicht mehr gesehen. Früher trug sie Kopftuch, ihrem Mann zuliebe, heute nicht mehr, weil ihrem syrischen Freund, der als Koch eventuell in Wien arbeiten wird, das besser gefällt. Da gibt es aber auch einen Franzosen, der gerade in Australien ist, dann aber wieder nach Indonesien kommen will. Sie weiß nicht, mit wem’s was wird, sie hofft aber mit dem Syrer, der plane eine Zukunft mit ihr, der andere nicht. Ihr Job im guesthouse wackelt, obwohl sie den echt super macht, sehr gut Englisch spricht, und uns extrem viel hilft: Sie besorgt uns einen Arzt mit internationaler Lizenz, sitzt bei uns im Zimmer, wenn der Arzt kommt, dolmetscht uns die Sachen aus, die der Arzt auf Englisch nicht sagen kann, versorgt uns mit Fruchtsäften und Gesichtsmasken. Als wir ihr zum Abschied zwanzig Dollar mit einer Karte als Geschenk geben und hoffen, dass es nicht falsch ankommt, weint sie vor Rührung und ist froh, dass wir Freunde geworden sind.

Dann wieder Malaysien. Die Rauchwolke ist glücklicherweise schon abgezogen. Unvorstellbar aber, wie viel Wald auf Sumatra abgefackelt werden muss, dass es fast die gesamte malaiische Insel umwölkt. Die Malaien und Singapurianer sind auf die Indonesier_innen böse, weil die die Brände nicht schnell genug löschen. Die Indonesier_innen geben die Schuld den Palmölfirmen in Malaysia und Singapur, die zwar offiziell eine „no-burn-policy“ vertreten, die Einheimischen auf Sumatra dann aber anfeuern, Brände zu legen. Die Präsenz der Palmölfirmen ist auch so auffallend: Circa 80% von Malaysia sind von Palmen in Spalier gepflanzt bedeckt, sieht echt traurig aus.
Wir sind in Kuala Lumpur – in „KL“, wie man als jemand, der Bescheid weiß, hier sagt – aber glücklich: Wir steigen in den ersten malaiischen Luxus-Bus, der uns in die Cameron Highlands bringt und wissen: Schon alleine wegen der Busse war es die richtige Entscheidung, wieder nach Malaysia zu kommen. In den Bergen haben wir ein Treffen mit Verena und Theresa vereinbart, die sind aus Österreich, Verena ist aus Wels, wir kennen uns nicht, aber man hat ja gemeinsame Bekannte. Wir machen uns ein paar gemütliche Tage mit Essen, auf der Terrasse rumsitzen und Ausflügen. Boris wird später behaupten, in den Cameron Highlands gebe es gar keine anstrengenden Treks, das stimmt aber nicht ganz: Einmal lassen wir uns auf den höchsten Aussichtspunkt auf einem Berg mit dem Taxi hinaufkutschieren. Am nächsten Tag suchen wir uns die kürzeste Wanderung mit den geringsten Höhenmetern aus und spazieren 1-2 Stunden durch den Wald. Gemütliche Pensionist_innenausflüge.

Nächste Station Georgetown. Gemütlich! Wir wohnen super, es gibt ein breites Spektrum an kulinarischen Genüssen, westlich orientierte Kaffeehäuser und Kuchen… So verbringen wir unsere Tage. Zwischendurch wandern wir herum und schauen uns ein bisserl die Stadt an. In Georgetown besuchen wir einen „Flohmarkt“. Schon alleine die Taxifahrt ist ihr Geld wert. Der chinesisch-stämmige Mann erklärt uns, dass das Land so korrupt sei, erklärt uns jedes historische Gebäude, das wir passieren. Außerdem sollten wir als Touris uns gleich beim Einstieg in ein Taxi die Taxinummer einprägen, falls irgendwas passiert. Seine Nummer ist HP 1389, falls er uns also beispielsweise ausraubt, können wir der Polizei sagen, Taxi HP 1389 hat uns ausgeraubt. „Sie werden uns ja wohl nicht ausrauben?“ frage ich, „man weiß nie“ meint er daraufhin. Beim Gedanken an den Flohmarkt schüttelt es ihn: Chines_innen mögen keine gebrauchten Sachen kaufen, klärt er uns auf, könnte Toten gehört haben. Der „Flohmarkt“ ist dann aber wie jeder gewöhnliche Markt in Asien auch. Es gibt kaum alte Sachen, meistens neue, alles aus Plastik. Dieser Markt ist aber irgendwie schon speziell: Man kann sich an einem kleinen Stand die Zähne richten lassen und ein Magier oder Medizinmann erklärt den interessiert Umstehenden anhand eines Skeletts, das wie eine Mischung aus Mensch und Dinosaurier aussieht, Magisch-Medizinisches. Dazwischen gibt es v.a. Stände mit „Männersachen“: Klobigen Silberringen mit Steinbesatz, die man am Ring- oder kleinen Finger trägt, Wünschelruten, Rauchutensilien. Ich kauf mir noch mal dieselben Ohrringerl, die ich schon habe, in einer anderen Farbe, jetzt bezahle ich 6,5 Ringgit statt 20 wie beim ersten Kauf. Boris ersteht die lang ersehnte Reise-Schuhbürste (wirklich!).
In Georgetown treffen wir auch wieder mal die seltene Spezies von österreichischen Reisenden, ein junges Paar um die 19, Anfang 20. Ihre gleichaltrigen Freund_innen wären über ihre Reisepläne alle schockiert gewesen, sie würden soviel Zeit verlieren, vor allem für die Pensionsanrechnung, meinten alle! Ich finde das unglaublich, Boris geht Anderes im Kopf herum: „Mit Anfang 20 als Paar! reisen! Das ist ja noch laffer als in unserem Alter!“

Melakka ist dann eh auch so ähnlich wie Georgetown: Wieder leckeres Essen, ausgezeichnete selbst gemachte Bäckereien im guesthouse – wir essen und schauen uns dazwischen die Stadtarchitektur an. In beiden Orten gibt es einen großen Chines_innenanteil, wir verlieben uns in wan tan-Suppe. Überhaupt verbringt man einen Großteil der Zeit auf Reisen damit, nach gutem Essen Ausschau zu halten, zu beraten, wo man gut essen könnte, zu essen oder über Essen zu reden. Dazwischen bleibt wenig Zeit. Einen guten Teil verbringt man damit, frisch gepresste Säfte zu trinken oder ein Kaffeehaus mit Espressomaschine für Boris zu suchen. Melakka ist allerdings ein wenig getrübt: Boris hat ein wenig erhöhte Temperatur und kränkelt, ihm tut der Hals wieder weh, mir ein paar Tage später auch – vom Kränkeln hab ich echt die Nase voll.

In Malaysia gibt es auch viele einheimische Tourist_innen, die bewegen sich hauptsächlich in Tourigruppen. Eine bestimmte Frau mit Regenschirm am Beginn der Schlange, alle die gleichen Leiberln oder Ausweise, am Ende der Reihe brüllt ein Mann ins Headset und winkt die Touris über die Strasse. Die benehmen sich wie überall: Sie stehen gekonnt dem Verkehr im Weg. Sie merken es, bleiben stehen und winken rechthaberisch-helfend die Autos weiter, stehen aber noch immer im Weg. Die Angehörigen dieser Reisegruppen sprechen einen oft an. Ein Malaie fragt uns, woher wir kommen, Boris fragt ihn, ob er aus Japan ist. Der reißt die Augen auf und antwortet erstaunt, da schwant ihm, dass er aufs Schauferl gesprungen ist und lacht gequält.

Ja, und dann kommt auch schon der letzte Strandaufenthalt, in Pulau Tioman – zum zweiten Mal sind wir hier. Verena und Theresa haben die Sesserl schon aufgewärmt und sind ein paar Tage vor uns angekommen. Eine super Bucht, die wir da gefunden haben! Am 17. Juli geht’s nach Hause, bzw. zuerst nach Berlin, um den Aufprall des Kulturschocks ein wenig abzufedern. Ich fahr jetzt doch auch gemeinsam mit Boris nach Hause. Ursprünglich wollte ich ja noch länger bleiben, mindestens ein Monat. Das war allerdings bevor wir unsere Indonesien-Reise abgebrochen haben: Ich wollte noch ein wenig auf Bali bleiben und dann noch mal auf der malaiischen Hauptinsel herumgondeln. Die aufgetauchte leichte Reisemüdigkeit, die ich in Indonesien aber schon mal verspürt habe, hat sich mit der bakteriellen Rachenentzündung dann aber verstärkt. Und: Als wir ohnehin gemeinsam zurück auf die malaiische Hauptinsel wollten, wußte ich nicht mehr, wohin dann mit mir noch. Also: Auf nach Hause. Am 17. Dezember weggefahren, am 17. Juli wieder nach Hause aufgebrochen. Besonders gefällt mir daran das Primzahlen-Datum, was ich Boris gegenüber – durch häufige und fatal falsche Primzahlenbehauptungen bin ich in Mißkredit geraten – allerdings nur schwitzend eingestehe…

muezzin from hell

hier gab es schon länger keinen eintrag mehr und das hat seinen grund. vroni und ich waren krank und mussten länger im bett bleiben. seit 2 wochen sind wir in yogyakarta und haben uns praktisch nicht von unserem hostel entfernt. indonesien meint es nicht so gut mit uns: bis vor ein paar tagen war hier noch immer regenzeit, obwohl die seit ende april eigentlich vorbei sein sollte und dann auch noch eine bakterielle racheninfektion. das ganze grätzel hier kennt uns schon und fremde menschen sprechen mich auf der straße an und erkunden sich nach unserem wohlbefinden. das ist sehr nett. weniger ideal ist, dass an unserem hostel eine moschee angrenzt. wie es sich für asien gehört haben die auch ein ordentliches soundsystem auf das dach gepackt, damit man nur ja keine nuance der muezzins überhört. 10 tage im bett, 6 x am tag zwangsbeschallung, da wird die toleranz auf eine harte probe gestellt. die beschallung übernehmen 3 verschiedene muezzins. am nervigsten ist jener in der frühschicht (4:30h). mit einer unglaublichen intensität presst er wie christina aguilera jene einzelne silbe heraus und reißt uns aus dem schlaf. am kuriosesten ist der „muezzin from hell“: der grummelt und krächzt und ich bin mir sicher er will uns alle in die hölle schicken.
eine kleine hörpobe:

muezzin from hell

dafür haben sich die hostelbetreiber wirklich nett um uns gekümmert, jetzt sind wir jedoch wieder halbwegs fit und der regen hat auch aufgehört, aber wir haben trotzdem von indonesien genug und werden heute wieder nach malaysien abreisen. südmalaysien übrigens, wird derzeit von einer riesigen rauchwolke eingehüllt, da auf sumatra wälder im großen stil illegal abgebrannt werden. man hat es nicht immer leicht auf reisen.

vorher hatten wir noch einen schönen ausflug in pangandaran und jetzt in den letzten tagen in yogyakarte haben wir es doch noch zu einem der tempel (borobudur, größte buddhistische tempel von da wöd) geschafft.

 

Fotos

Tourists from Australia

Auf den Perhentian Islands gehen wir zweimal tauchen und einmal schnorcheln, wir beobachten eine Riesenschildkröte (die coolsten!), sehen viele Haie und Fische. Dann reicht’s aber auch mit Strandurlaub, ab geht’s nach Kuala Lumpur für einen Tag Stadtbesichtigung, und dann auf nach Indonesien.

Das indonesische Essen ist extrem lecker, abgesehen von Winner Schnitzel, sweet shower chicken und pain rice, gibt es viele kulinarische Leckerbissen – immer eine wichtige Facette einer Destination für jemanden, der zuhause zukünftig als professionelle Esserin arbeiten möchte.

Auf den bisherigen gemachten Stationen gab es nicht sehr viele Tourist_innen. Dementsprechend sind häufig wir die eigentliche Tourist_innenattraktion. Menschen starren uns nach, häufig werden wir um ein gemeinsames Foto angefragt. Unten eine Auswahl aus dem Botanischen Garten in Bogor. Die muslimischen Mädchen sind besonders putzig, sie umringen uns und kreischen hysterisch; wir werden wie Popstars behandelt; als wir bereitwillig in ein gemeinsames Foto einwilligen, sind sie überglücklich.

Ab dem nächsten Tag wollen wir Geld verlangen: „Make photo, one dolllaaa.“ Frechheit ist es ja schon, da fährt man so weit und dann wird man als Touri-Attraktion behandelt, wissen die denn nicht, dass es umgekehrt sein muss?!

Auch beim WC-Stop auf der Busfahrt von Bandung nach Pandangaran bin ich unerwartet und plötzlich im Mittelpunkt: Der WC-Mann spricht mich an, dass ich von Australien sei. Das hat ihm wohl der Busfahrer gesteckt, der muss es von den indonesischen Reisenden haben, mit denen wir vorm Einstieg in den Bus getratscht haben. Pui. Dann umringen mich plötzlich immer mehr Frauen und reden aufgeregt; ich bin etwas verwirrt ob der plötzlichen Situation, und unsicher, ob die stetig wachsende Ansammlung feindlich oder freundlich gesinnt ist. Hab ich was falsch gemacht? überleg ich noch kurz, dann strecke ich der Menschenansammlung entschlossen meine Hand entgegen und rufe „Hello“. Allgemeines Gelächter, jetzt muss ich allen die Hand schütteln. Die Runde ist begeistert von meiner Anwesenheit, die einzige Indonesierin, die Englisch spricht, sagt dann laut und feierlich: „Welcome in Indonesia.“ Sehr nette Episoden spielen sich hier ab.

Ein anderes Highlight, auch sehr lokaler Natur: Wir machen einen Ausflug mit zwei Deutschen und einer Niederländerin und lassen uns in einem gemieteten Auto rumkutschieren. Wir besichtigen einen Vulkan und fahren zu einer Badestätte mit heißen Schwefelquellen. Dort sind wir die einzigen Touris, werden herzlich aufgenommen beim gemeinsamen Plantschen (ich wieder mal mit Leiberl und Sarong fertig zum Ertrinken) und viel fotografiert. Besonders als wir asiatische Poser-Fotos machen (die wir mittlerweile lieben), seh ich aus den Augenwinkeln ein wahres Blitzlichtgewitter.

Bisher hatten wir eigentlich Glück mit den Unterkünften in Indonesien. Die Reisegöttin ist uns auf der Reise allgemein sehr gut gesinnt, wir kriegen häufig die letzten zwei Bustickets, den letzten guten und billigen Bungalow, erreichen einen Tag vor Hauptsaison eine Insel und können uns die Unterkunft noch aussuchen, ergattern Bustickets, obwohl die Busfahrt eigentlich schon seit einer Woche ausgebucht ist etc. Super! Die indonesischen guesthouses hatten bisher alle einen sehr gemütlichen Gemeinschaftsbereich, was uns im Laufe der Reise immer wichtiger geworden ist. In Bandung verbringen wir einen gemütlichen Abend mit der Belegschaft. Boris spielt Gitarre mit den locals und ich ratsche mit einen Mitarbeiter ewig und quäle ihn mit Fragen über indonesische Vokabeln, was er hocherfreut hinnimmt.

musizieren im guesthouse

musizieren im guesthouse

In einer anderen Unterkunft sitzen wir gemütlich auf der Couch, als ein Indonesier von einem anderen Tisch zu uns kommt und uns Tränen lachend ein Video auf seinem Handy vorspielt: Ein Video mit klamaukhaften Hoppala-Episoden, wobei die meisten Witze darauf beruhen, dass Moslems beim Beten in den Hintern getreten werden. Der muslimische Mann neben mir rollt sich vor Lachen und kriegt sich gar nicht mehr ein. Ich find’s auch lustig, bin aber überrascht, dass man über Religion in einem solchen Ausmaß Witze machen kann.