Städtetouring

Im Moment sind wir auf einer malaiischen Insel, chillen. Nach dem eher schnellen Reisen in Vietnam und dann zwei Städteaufenthalten in Hongkong und Singapur war eine Entspannungsphase dringend nötig. Der erste Tag war komplett ungewohnt: nichts zu organisieren, zu tun, zu checken – ich falle direkt in ein Loch und weiß erst mal nichts mit mir anzufangen, erhole mich aber schnell ;). Ein schönes Platzerl haben wir uns wieder mal gefunden, die lange Bucht mit Bungalow direkt am Meer teilen wir uns mit circa acht anderen Menschen.

Malaysia, Blick vom Bungalow

Malaysia, Blick vom Bungalow

Hongkong war super und als sehr westlich orientierte Großstadt mit einem relativ hohen Level an Wohlstand total ungewohnt: Wir fallen als westliche Ausländer_innen einmal nicht auf – positiv. Alle laufen mit Handys, Smartphones und ipads bzw. tablets rum, ständig und überall – auch beim Gehen – spielend, schreibend, telephonierend und obstruieren einem beim Weiterkommen durch ihre ständige Bildschirmschauerei (grr). Es gibt wieder Ausländer_innen! Also richtige Migrant_innen! Alleine das deutet schon auf den Großstadtfaktor hin. Bei dieser Gelegenheit fällt mir auf, dass die Inder – es sind vornehmlich Inder_innen in den Chungking Mansions, wo wir wohnen – alle einen kleinen, prallen Wamps kriegen; das Baucherl wird nicht schlabrig wie in unseren Breiten, sie sehen eher aus als wären sie ein bisschen schwanger; das muss wohl an der Ernährung liegen.
Hochhäuser, Hochhäuser, Hochhäuser! Boris ist begeistert und will uns quasi schon in einer Hochhaussiedlung, die er wunderschön findet und der Gartenstadt-Siedlung verblüffend gleicht (echt häßliche Teile!), einmieten; ich fürcht mich ein bisserl. Überall, überall Shopping Malls! Alles ist bestens organisiert und läuft wie am Schnürchen, z.B. das öffentliche Verkehrssystem. Eigentlich ist es eine sehr britische Großstadt (kein Wunder) mit vielen Ge- und Verboten: „Please hold the handrail!“ (auf der Rolltreppe), beim Straßen-überqueren steht fett „Look right!“ oder „Look left!“ am Boden, essen und trinken in der U-Bahn verboten, „Please mind the gap!“ sagt die panische Lautsprecherdurchsage beim Verlassen des U-Bahnzuges. Desweiteren herrscht ein Desinfektionswahn in der Stadt: „This handle is disinfected eight times a day.“ ist der Türgriff des Kunstmuseums beschriftet. Apropos Kunstmuseum: Es gibt wieder ein Kulturangebot, das der Rede wert ist! Hungrigst stürzen wir uns darauf – Boris hat eh schon berichtet. Der Auftritt dreier Rockbands, dem wir beiwohnen durften, war aber mehr als mau. Ich fühlte mich melancholisch an meine Teenagerzeit erinnert, wo ich aus freundschaftlichen Verpflichtungen viele solcher Konzerte besuchte. Außerdem waren wir auf einer Ausstellung zur zeitgenössischen Kunst Hongkongs und die weise Kunstinstallation fragte Boris: „Why do you smell of cookies?“ Ich war ganz baff, wie die Kunstinstallation das weiß. Was die Künstler_innen heutzutage alles können…
Die Chines_innen sind echt hübsch, bisher die feschesten Asiat_innen, das hätte ich nicht erwartet. Allerdings sind viele westlich orientiert gekleidet und gestylt, was unserem Auge sicher näher kommt. Eine weitere Eigenart Hongkongs: Die von den besuchten Orten bisher am meisten gekühlte Stadt Asiens. Die Außentemperaturen waren recht okay, man möchte fast sagen: frühlingshaft. Bei Temperaturen also, bei denen wir maximal – maximal! wenn wir überhaupt etwas tun würden! – den Kamin einheizen würden, wird in Hongkong mittels Klimaanlage alles eisgekühlt. Überall ist es eisig! Es scheint außerdem einen Zusammenhang zwischen angestrebtem Reputationslevel und herrschender Temperatur zu geben. Sprich: Die teuersten Designer-Einkaufszentren und die edelsten Kunstinstitutionen sind am kältesten. Desweiteren sind die WC-Anlagen in einem EKZ, das auf sich hält, nochmal kälter als der Rest des Gebäudes. Wir sind glücklicherweise schon daran gewöhnt, werden nicht krank. Wissen die eigentlich von der Umweltverschmutzung?
Die grellen Reklameschilder, die hohen Häuser, die vielen Kulturangebote, die pulsierende Stadt – Hongkong hat mich total aufgeheizt und ich kann zwei Tage bis um drei Uhr früh nicht schlafen.

Dann heißt’s ab nach Singapur. Wir kommen an, haben nichts gebucht und keine Ahnung von der Stadt. Die Stadt ist sauteuer, so nehmen wir uns Betten im 8-Bett-Schlafsaal (ich hatte gehofft, ich wär schon zu alt für sowas), haben Glück mit den Schlafgenoss_innen und können ein paar Nächte erstklassig schlafen. Eine überraschend positive Erfahrung, die Leute im Hostel sind total nett und es gibt einen wirklich netten Aufenthaltsraum. In gewissem Sinne ist Singapur die Steigerung Hongkongs: Es geht nochmal mehr ums Einkaufen, an jeder Ecke gibt’s einen glänzenden shop. Und, zweitens, die Verbote: Essen oder Trinken in der U-Bahn wird mit 500 Dollar geahndet, genau so viel kostet die Geschwindigkeitsüberschreitung auf der Autobahn, Müll wegschmeißen in der U-Bahn kostet dann schon 1.000,-. Kaugummi kauen – lange ein berühmt-berüchtigtes Verbot in der Stadt – scheint aber mittlerweile akzeptiert, Kaugummis kann man zu medizinischen Zwecken immerhin schon in der Apotheke kaufen. Eine Steigerung von Hongkong, die nervt: Das Ausmaß der Verbote und die Bestrafung deuten auf eine rigide Gesellschaft hin, die Einkaufszentren kann ich nicht mehr sehen. Gleichzeitig fehlt der Stadt das Leben Hongkongs: Die skyline ist nicht so beeindruckend, die Kunstszene nicht so gut…hier geht’s eigentlich wirklich nur um Konsum. Das einzige, was dann aber wirklich herausragend positiv ist: Dass so viele Kulturen auf einem Fleck wohnen und die leckeren foodstalls, die diese vielen Kulturen dankenswerterweise betreiben.
Wir waren in unseren zwei Tagen Singapur im Zoo. Nachdem sich bei unseren Wanderungen die Viecherln immer vor uns verstecken – bisher haben wir nur ein paar Vögel (wen interessieren schon Vögel so richtig?!) und einen stark suizidgefährdeten Affen gesehen –, sehen wir mal endlich Tiere. Unerwarteter Sieger des Zoobesuchs: Das Nilpferd. Stämmig, aber grazil schwimmt es mit blitzblauen Augen durchs Wasser. Auf Platz Nr. 2: Kopulationsversuche von Riesenschildkröten. Gute Güte, sieht das patschert aus! Er wackelt von hinten ran, hievt sich mit dem Kopf auf ihren Panzer, rudert mit den Vorderpfoten auf ihrem Rückenpanzer rum, um sich vorwärts zu schieben, rutscht immer wieder runter und zerkratzt ihr ein bisserl den Panzer mit den Krallen… ein Wahnsinn!

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hong kong

hong kong war für mich schon länger ein wunschziel. ich glaube seit ich in einem interview mit einem hongkonger (keine ahnung mehr wer) mal gelesen habe, dass die stadt im film „blade runner“ für ihn keine zukunftsvision, sondern alltag, eben hong kong ist.

dazu kommt natürlich das hong kong-kino, vor allem die filme von wong kar-wei, die es mir vor jahren mal ziemlich angetan haben. das hotel hatten wir eilig ohne große recherche gebucht und wir hatten großes glück: das zimmer befindet sich in den „chunking mansions“, drehort von wong kar-weis „chungking express“. ein guter anfang und ein ziemlich interessanter ort.

der rest des 5-tägigen aufenthalts bestand in erster linie aus laufen, schauen und staunen. ich bin mit der u-bahn zu verschiedenen endstadtionen gefahren, weil ich unbedingt wissen wollte, wie die vorstädte aussehen. z.b. so:

heng fa chuen suburbs

heng fa chuen suburbs

das schaut jetzt sehr nach sozialem wohnbau und „problemviertel“ aus, tatsächlich parken hier vor der tür porsches, mercedes und limousinen. das bewohnbare gebiet der stadt ist übrigens nach monaco das am dichtesten besiedelte gebiet der welt. die dichte und höhe der häuser hat für mich was extrem anziehendes und ich könnte mir schon vorstellen, so zu wohnen. die menschen sind, wie bei fast allen unseren bisherigen destinationen, sehr freundlich und dazu kommt, anders als bei den
bisherigen, dass sie offensichtlich von den briten auch die höflichkeit übernommen haben. das macht den aufenthalt sehr angenehm und die stadt wirkt auch sonst erstaunlicherweise nicht sehr stressig.

nachdem wir fast 5 monate kaum konzerte, austellungen und kino besucht haben, waren wir kulturell schon ziemlich ausgehungert. galerien hat die stadt einige, konzerte erstaunlich wenig, wir mussten uns mit 2. klassigen lokalen bands zufriedengeben. dafür dient das foyer des veranstaltungsortes, in dem das konzert stattfand, als abstellplatz für ferraris. im kino des hongkong filmarchivs sahen wir dann noch einen film aus der reihe „100 must see hong kong movies“. ein traum.

ansonsten herrscht reizüberflutung. screens, einkaufszentren und zwangsbeschallung überall. die asiaten und der sound, dem muss ich mal einen eigenen artikel widmen. alle 10 sekunden kommt auf den rolltreppen die durchsage „please hold the handrail“ und für taube und leute mit kophörer wird jeden meter mittels aufkleber darauf hingewiesen. zeuge eines unfalls wurde ich nie und da ich schon eher draufgängerisch veranlagt bin, fuhr ich die meiste zeit freihändig.