Savages! I love it!

Zwischenstation zwischen den zwei Aufenthalten in Luang Prabang – wir fuhren zu den Neujahrsfeierlichkeiten wieder zurück – ist Muang Ngoi Kiao. Ein wahnsinnig nettes und sehr sauberes Dorf am Fluss. Wir haben eine tolle Unterkunft, lernen einige sehr nette Reisende kennen, mit denen wir gemeinsam Essen gehen bzw. gemeinsam stundenlang aufs Essen warten, und entspannen. Ich gehe ob der eher konservativen laotischen Schwimmordnung mit dem Sarong – also von den Schultern bis über die Knie in ein Tuch eingewickelt – schwimmen. Ich kann nur sagen: So ertrinkt es sich bestimmt leichter.

Abgesehen von den Neujahrsfeierlichkeiten war ein Schwerpunkt der letzten Wochen: die Wilden anschauen.

In Nordlaos machen wir einen Trip zu einem Akha-Dorf. Die amüsieren sich köstlich darüber, dass ich Muttermale auf den Armen und Sommersprossen habe und lachen herzlich. Wer hat denn sowas?!

In Dien Bien Phu – wir sind mittlerweile in Vietnam – mach ich ein Foto von ein paar ansässigen Damen, die sich wieder bestens auf meine Kosten unterhalten. Die eine greift gleich mal meinen Nasenring an (gschamig sind die ja nicht) und untersucht meine Ohrläppchen auf Löcher. Eine gemeinsame Sprache gibt es zwar nicht, aber man versteht, dass sie sagt: „Oida, du hast dich da bei der Örtlichkeit deines Silberrings vertan. Der gehört ins Ohr!“ Hahaha, alle hauen sich ab. Und das wohlgemerkt, obwohl die eine einen Mopedhelm trägt, der wirklich nur ihren Haardut schützt, was überaus komisch aussieht.

Dien Bien Phu - Indigene, man beachte den Helm auf dem Dut

Dien Bien Phu – Indigene, man beachte den Helm auf dem Dut

Saufrech sind die, diese Indigenen! Für die Vietnames_innen gilt das übrigens auch; die frotzeln einen ständig. Geht man vorbei, sagen sie irgendwas auf Vietnamesisch und alle lachen. Gefühlt sind sie ständig am Schmäh führen. Auch deshalb war der Wechsel von Laos auf Vietnam ein richtiger Kulturschock: Laos ist wahnsinnig dünn besiedelt, die Laot_innen sind reserviert und unaufdringlich und Nordlaos – die letzte Region, in der wir waren – ist durch viel Landschaft und wenig Infrastruktur gekennzeichnet. Die Busreise über die Grenze kann als „Erlebnis“ charakterisiert werden – so wird im Reisesprech alles benannt, was eine kulturell höchst wertvolle Erfahrung birgt und im Allgemeinen eher suboptimal ist. Der Bus ist komplett, wirklich komplett überfüllt – es zeigt sich, dass wir mit dem Adjektiv „überfüllt“ bisher ein bisschen naiv und verschwenderisch umgegangen sind. Wir haben Stehplätze, überall drängen sich Menschen und zu transportierende Sachen; ich stehe auf einem Reissack und kuschle mit vielen Fremden.

Nach dieser denkwürdigen Anfahrt also Ankunft in Dien Bien Phu – ein Schock: Die Vietnames_innen haben Energie, sind unruhig, laut, die Strassen sind asphaltiert, es gibt viel Verkehr, auf Baustellen wird emsigst von früh bis spät gearbeitet – ganz im Gegenteil zum bisher erlebten System des einer arbeitet, zwei stehen rum, das Essen ist wieder lecker (juhu!), die Vietnames_innen greifen einen viel an, sind häufig relativ ruppig und unfreundlich und es wird viel beschissen. Insbesondere letzteres ist jetzt schon nervig, selbst bei Garküchen-Essen am Markt werden wir über den Tisch gezogen.
Nach Dien Bien Phu ziehen wir weiter nach Sa Pa, einem Ort inmitten von Bergen und Reisfeldern, eine wunderschöne Landschaft. Aber sehr lustig: Sa Pa sieht aus wie eine Mischung aus Saalbach und Bad Gastein (quasi „Sa Ba“ ;)), es regnet häufig und ist sehr neblig – heimelnde Gefühle kommen hoch, wenn auch nicht die wärmsten. Nur die Einheimischen wurden offenbar ausgetauscht und alles bis zum Anschlag mit sogenannter „Ethno-Ware“ angeräumt. In Sa Pa tummeln sich Angehörige vieler tribes, die ihre selbst gemachten Arbeiten – Täschchen, Pölster etc. – an den touristischen Mann und die Frau bringen wollen. Dazu kommen die vietnamesischen Verkäufer_innen, die auch sehr offensiv vorgehen. An jeder Ecke wird man angesprochen: „Madaaame, buy with me pleeasse.“ Häufig werden wir in Gespräche gezogen. Eigentlich müsste unser Blog „Bohlis und Loni auf Leisen“ heißen, denn als „Bohlis“ und „Loni“ stellen wir uns den Asiat_innen mit dem weltberühmten rollenden r auch mittlerweile vor.


Die Damen der Bergvölker verkaufen aber nicht nur ihre Sachen, sondern bieten auch Treks in ihre Dörfer an. Ich lerne zufällig Ya kennen, sie ist vom Stamm der schwarzen Hmong, wir verstehen uns gleich gut, also machen wir mit ihr eine zweitägige Wanderung mit Übernachtung in ihrem Haus aus. Definitiv eines der besten Erlebnisse der Reise! Ich bin mit meinem Gefühl nicht falsch gelegen: Ya und ich verstehen uns ausgezeichnet und sie spricht sehr gut Englisch, so kann man sich viel austauschen. Bei ihr zuhause fühl ich mich wohl, es ist alles sauber und nett, obwohl den asiatischen „Zuhauses“ die gemütliche Ecke mit der Couch oder irgendetwas Vergleichbarem faszinierenderweise immer fehlt. Abends gibt es Essen im Kreis der Familie und es wird wieder viel getratscht. Einige Dinge – offenbar die essentiellen – werden bei allen bisherigen kulturübergreifenden Zusammenkünften ausgetauscht: Wer bezahlt bei euch die Party, wenn wer heiratet? Muss man schon verheiratet sein, wenn man zusammenzieht? Was haben die Brautleute an? Wieviele Schweine werden geschlachtet? Etc.
Die schwarzen Hmong haben eine unglaublich schöne Tracht. Ich finde, sie sehen ein bisserl wie ein stilsicherer Stamm aus dem Film „Das fünfte Element“ aus.

 

 

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