Nach Khon Kaen wirds wieder besser…

Es ist grotesk, auf was für einem dünnen Faden sich der Tourismus bewegt, alle empfehlen einander die gleiche Handvoll von Orten – deshalb haben wir uns für den wenig bereisten Nordosten entschieden. Allerdings hat das einen Haken: Die Reiseführer sind nicht so wirklich aktuell und außerdem: Auf den hier sehr verbreiteten Sextourismus waren wir nicht vorbereitet. Immer wieder sieht man grausliche europäische ältere Männer mit asiatischen Damen in Häusern verschwinden, in einem Schachclub werden sie wohl nicht sein. Über diesen Witz sind sie übrigens im Reisesprech zu „Schachclubmitgliedern“ geworden.

Nach Khon Kaen fahren wir nach Nong Khai, ca. 50 000 Einwohner
Nachdem ich Boris zum Kaffee trinken abgegeben habe, suche ich nach einer Unterkunft. Die Strasse, die mir zur Suche hauptsächlich empfohlen wird, ist grauenhaft: Wieder hauptsächlich eklige Männer, meistens ab 50 aufwärts, die Bier trinkend in den Gastgärten sitzen und junge Asiatinnen neben sich haben. In Bangkok war der Sextourismus häufig neben anderen Tourismussparten nicht so offensichtlich, in die Gassen und Ecken, wo dieser hauptsächlich zu verorten ist, waren wir nicht so und: Groteskerweise waren die Sextouristen aus Bangkok häufig auch sympathetischere Gestalten. Man hatte oft das Gefühl, hier wird nicht nur Sex, sondern auch Zuneigung, irgendwie etwas Beziehungsähnliches erkauft. Im Nordosten ist das anders, aber Sextouristen kommen nicht weit und so ist abgesehen von dieser einen Straße der Ort wirklich nett.

Im Hotel lernen wir Don kennen, ein Thailänder, der in Australien aufgewachsen ist und seit sieben Jahren in Thailand lebt und hier verheiratet ist. Wir ratschen viel und verstehen uns gut. Er lobt den thailändischen Lebensstil, beschwert sich über die Politik seines Landes und darüber, dass sich „eigentliche“ Thais nie über was aufregen. Don bringt uns auf neue Ideen: Wenn wir mal wiederkommen wollen, könnten wir doch ein Jahr Englisch in einer Schule unterrichten – leben würde man hier gut… Außerdem gibt es hier viele arme Leute, die sowieso immer nett sind, und viele nette Leute, während gebildete und reiche Leute überall auf der Welt „a pain in the ass“ sind, wie er uns lachend erklärt.

Er hilft uns, einen „homestay“ in einem Dorf aufzutreiben: 20 km außerhalb von Nong Khai, in Seekai, verbringen wir die nächsten Tage mit Bell, Niem und Ong. Die erste Begrüßung war übrigens ähnlich dem Aufeinandertreffen zweier Galaxien: Ich als Personifikation Kirks vergreife mich in den Begrüßungsformen und strecke Ong die Hand entgegen, sie schaut mich ratlos an – diese Begrüßung kennt man hier nicht. Im Verlauf der nächsten Tage ist nach der ersten Ratlosigkeit gegenseitiges Beobachten angesagt, immer wieder erwischen wir uns gegenseitig beim sich-Anschauen. Ong ist eine ausgezeichnete Köchin. Beim gemeinsamen Essen (am Boden) klärt Ong uns auf, dass Männer im Schneidersitz sitzen, Frauen nicht – sie sollen die Beine zur Seite umlegen. Seekai war eine grandiose Station: Abgesehen vom Kontakt mit der Thai-Familie, durch den wir auch viel über das Land und Leben hier erfahren und viel erfragen können und sie auch ziemlich viel über Österreich fragen (z.B.: Wie funktioniert eigentlich ein Heizsystem?), sind wir auch über ein Begräbnis gestolpert. Allerdings haben wir bei Letzterem ziemlich lange gebraucht, um das zu merken. Die Gruppe von Menschen, die wir auf der Wiese treffen, wiederholen zwar immer wieder „accident, accident“ und „thunder“, sind aber so gut gelaunt und es fließt auch einiges an Alkohol, dass wir ein wenig brauchen, um zu begreifen, dass die verkohlten Reste am Boden tatsächlich ein Mensch gewesen sind, der vom Blitz getroffen wurde.

Außerdem: Wir haben es getan, wir haben Insekten gegessen und es war wirklich lecker…

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